Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Wanderungen im Mittelalter
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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erhielten die Jünger nicht nur kleine Unterstützungen in bar, sondern jeder Haushalt hielt.einen oder mehrere bei sich in Kost. Unter diesen Umständen war ihr Leben keineswegs stumpfsinnig oder einförmig. Ein Jünger der jüdischen Wissenschaft hatte viel zu leiden, aber er wußte auch, sein Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Dieser Optimismus, dieser Galgenhumor rettete den Rabbi und seine Schüler vor Trübsinn. Man betrachte z. B. Abraham ibn Esra. Wenn je ein Mann ein Geschick voll Bitternis zu tragen hatte, so war er es. Allein er spottete seines Schicksals. Er wunderte fröhlich aus seiner Heimat Spanien ohne einen Groschen durch viele Länder, reiste ohne Gepäck, allein mit seinen Gedanken und konnte doch Italien und Frankreich besuchen, kam schließlich bis London und ist hier vielleicht gestorben. Das Schicksal war ihm nicht hold, dennoch erlebte er viele Freuden. Wohin er auch kam, fand er Beschützer mit offenen Händen. Reisende Studenten fanden viele solcher großmütigen Freunde der Wissenschaft, die mit ihrem Reichtum ihre Gäste ermutigten, neue Werke abzufassen oder Schriften früherer Zeiten abzuschreiben. Diese wurden dann von den Mäcenen an arme Gelehrte verteilt, denen es an Büchern fehlte. Man erzählt eine Legende, daß der Prophet Elia einst Hebron besuchte und nicht zur Tora äusgerufen wurde; da er keine Alia auf Erden erhielt, kehrte er zurück zu seiner Erhebung in den Himmel. Es war also wenig klug, Engeln, über die man nicht Bescheid wußte, Ehren zu verweigern. In der Regel aber wurde der Gelehrte behandelt, als wäre er ein Engel. Wenn er ankam, mußte sich die ganze Gemeinde auf den Weg machen, um ihm entgegenzugehen, dann wurde er in feierlichem Zuge in die Synagoge geführt, wo er den Segensspruch Hagomel sprach, um für den Schutz auf der Reise zu danken. Später mußte er eine Ansprache an die Gemeinde halten, aber in der Regel verlegte er diese lieber nach dem Lehrhause als nach der Synagoge. Dann wurde ein Gastmahl für ihn hergerichtet, das nannte man ein Seudat Mizwa, d. h.