Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Wanderungen im Mittelalter
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 176 — Mittelalter sind ganz ausgefüllt mit diesen Legenden. Ebenso brachte der Reisende vielfach auch wahre Nachrichten von den Glaubensgenossen in entfernten Gegenden und nüchterne Mitteilungen über ferne Länder, ihre Reisewege, ihre physikalische Beschaffenheit, ihre seltenen Vögel und Tiere. Diese Erzählungen waren in der Hauptsache wahr. Petachja z. B. erzählt von Kameelen, die geradezu fliegen können und fünfzehnmal so rasch laufen wie das behendeste Roß. Wahrscheinlich hat er einen Strauß gesehen, der noch heute von den Arabern das „fliegende Kameel" genannt wird. Wir können uns bei diesen Dingen jedoch nicht aufhalten. Es muß genug sein, zu sagen, daß, sobald der Sabbat vorüber war, die Erzählungen der Reisenden durch den Schreiber in der Heimat ausgezeichnet und als Schätze des Ortes aufbewahrt wurden. Der Reisende seinerseits führte oft Tagebuch und verfaßte später eine Beschreibung seiner Erlebnisse. In manchen Gemeinden wurde eine Chronik geführt, in welcher Entscheidungen ausgezeichnet waren, die von fremden Rabbinern aus anderen Gegenden mitgebracht wurden. Die willkommensten Gäste, die man noch lieber sah als Fremde aus weiter Ferne oder Weltreisende, waren die Bachurim und die reisenden Rabbinen. Die Lehrer des Talmuds machten zum größten Teil große Reisen; Rabbi Akiba's ausgedehnte Reisen verfolgten nach der Meinung vieler den Zweck, die Juden in Kleinasien dazu zu veranlassen, daß sie den Ausstand gegen Hadrian mitmachten. Aber unsere Betrachtungen müssen sich hier aus die Gelehrten des Mittelalters beschränken. Für die Bachurim, die Jünger der Wissenschaft, gab es in vielen Gemeinden ein besonderes Haus, sie lebten darin zusammen mit ihren Lehrern. Im 12. Jahrhundert zog das große Lehrhaus von Narbonne unter der Leitung des Rabbi Abraham ibn Daud ganze Scharen von Jüngern aus der Fremde an; wie Benjamin von Tudela erzählt, wurden sie auf Kosten der Gemeinde unterhalten und gekleidet. In Beaucaire wurden die Studenten auf Kosten ihres Lehrers einguartiert und verpstegt. Im 17. Jahrhundert-