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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 172

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Wanderungen im Mittelalter
Date
1914-01-01
Page
Seite 172 (sequence 15)
Language
German
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174 Wenn wir alle diese Tatsachen in Betracht ziehen, können wir begreifen, daß der Eifer der Juden des Mittelalters, dem Zustrom Fremder Einhalt zu tun, nur. zum Teil aus schlechten Beweggründen hervorging. Tatsächlich war ihre Ausschließung nicht dauernd und nicht streng. In Rom richieten die sephardischen und die italienischen Juden brüderlich ihre Synagogen in den verschiedenen Stockwerken desselben Gebäudes ein. In einigen Orten Deutschlands war die fremde Synagoge in demselben Hofe wie die heimische. Ueberall gab es eine Menge fremder Juden, und überall erwartete ein edelmütiger Empfang den wirklichen Reisenden. Was den reisenden Bettler anbelangt, so war er meist lästig, aber er wurde mit viel Rücksicht behandelt. Die Politik in Bezug auf ihn läßt sich in das Gebot zusammenfassen: „schicke den Bettler weiter". Dabei kam auch der Bettler auf seine Rechnung, denn er wünschte ja nicht, sich aufzuhalten, ihm war es lieb, weiter zu kommen: Er wurde für zwei Tage etwa in der städtischen Herberge untergebracht, oder wenn er, wie gewöhnlich, am Freitagabend ankam, wurde er in gastlichen Häusern zu' Tisch geladen, oder der Synagogendiener hatte aus Kosten der Gemeinde ihn zu versorgen. Erst im 13. Jahrhundert treffen wir Boten an, die eigens von Palästina geschickt werden, um Geld zu sammeln. Der wirkliche Reisende hingegen war stets ein willkommener Gast. Traf er zur Meßzeit ein, so war die Straße für ihn geebnet. Der Jude, der den Markt besuchte, wurde nur selten von der Gemeinde mit Steuern belegt, er verdiente die Gastfreundschaft, denn er brachte nicht nur die Ware zum Verkauf, sondern er kam auch mit neuen Büchern beladen. Die Messe war der einzige Büchermarkt, zu anderen Zeiten waren die Juden von gelegentlichen Besuchen reisender Bücherverkäufer abhängig, denn der Buchhandel scheint im Mittelalter kein ausgebildeter Beruf gewesen zu sein. Der Kaufmann, der zur Messe kam, übte noch eine andere Funktion aus, die des Heiratsvermittlers; der Tag der Messe war der kritischste des ganzen Jahres. Naturgemäß wurde der

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