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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 169

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Wanderungen im Mittelalter
Date
1914-01-01
Page
Seite 169 (sequence 12)
Language
German
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171 auch dieses jüngste Mißgeschick ein, aus dem wir in unerwarteter Weise errettet wurden." Wir kehren zu unserem reisenden Bachur zurück, der in späteren Jahrhunderten lebte als der Steuermann des Synesius. Auf der Reise wurde der Student oft angegriffen, aber, wie es dem Sohne des berühmten Äschert erging, der in der Nähe von Toledo von Banditen überfallen wurde, zogen die Räuber sehr oft dabei auch den Kürzeren. Ein Jude gewann viel Ruhm dadurch, daß er im Jahre 801 einen Elefanten als Geschenk Harun al Raschids von dessen Hofe zu Karl dem Großen führte. Aber in der Regel litt der Jude auf der Reise sehr viel wegen seiner Religion. Der Gaon Elia von Wilna, so erzählt vr. Schechter, stieg aus seinem Wagen aus, um seine Gebete zu sprechen, und da der Kutscher wußte, daß der Rabbi seine Andacht nicht unterbrechen würde, fuhr er eiligst mit dem ganzen Gepäck des Reisenden fort. Indes ist auch manches Gute zu verzeichnen. Wenn der Bachur für seine Religion zu leiden hatte, so erhielt er auch reiche Belohnung; wenn er an seinem Bestimmungsort ankam, wurde er sehr herzlich begrüßt. Wir lesen, wie herzlich der Scheliach Kolel im XV. bis XVIII. Jahrhundert in Algier ausgenommen wurde. , Es war ein sehr volkstümliches Ereignis, so wie etwa heutzutage der Besuch des Schulinspektors der Alliance. So herzlich wurden nicht alle jüdischen Reisenden ausgenommen, einige finden bei ihren Brüdern einen sehr kühlen Empfang. Aus welchem Grunde? Hauptsächlich, weil die Juden ebensowenig wie die übrigen Völker des Mittelalters verstanden, daß Fortschritt und Aufklärung mit den Rechten der Freizügigkeit unlöslich verknüpft sind. Sie betrachteten das Recht, nach freiem Ermessen hin und her zu ziehen, als ein Privileg, als einen Vorzug. Einzelner, nicht als berechtigten Anspruch aller. Dazu kam noch etwas. Die Juden waren gezwungen, in bestimmten, eng begrenzten Ghettos zu wohnen, es war nicht leicht, für Neuankömmlinge Platz zu finden. Wenn eine Krisis eintrat, z. B. die Vertreibung der Juden aus

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