Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Wanderungen im Mittelalter
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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MWKWWMWWWWWWWM^FMSMWWWM — 170 - Wind sich legt, die Wellen aber sich noch nicht beruhigen, sondern, aufgepeitscht von der starken Kraft des Sturmes, noch in ihrem wilden Spiel verharren. Nun, wenn Leute unter solchen Umständen auf der See fahren, hängt ihr Leben, wie man zu sagen Pflegt, an einem Zwirnsfaden, wenn aber der Steuermann obendrein noch ein Rabbi ist, wie wird ihnen dann zumute? Als wir dann begriffen, aus welchem Grunde er das Steuer losgelasfen hatte — denn als wir ihn baten, das Schiff aus der Gefahr zu retten, ließ er sich beim Lesen seines Buches nicht stören —, da verzweifelten wir daran, ihn überreden zu können und brauchten Gewalt. Und ein kecker Soldat — denn wir hatten einige Araber mit uns, die bei der Kavallerie dienten — zog sein Schwert und drohte, ihm den Kops abzuschlagen, wenn er nicht das Schiff steuern würde. In jenem Augenblick wurde er ein echter Makkabäer und wollte für seinen Glauben sterben. Jedoch als es gerade Mitternacht war, da nahm er freiwillig seinen Platz wieder ein, „denn jetzt", sagte er, „gibt mir das Gesetz die Erlaubnis, da wir uns wirklich in Lebensgefahr befinden". Da beginnt der Sturm von neuem, Wehklagen der Männer und Geschrei der Frauen, jeder begann zum Himmel zu flehen, zu klagen und seiner Lieben zu gedenken. Amerantus allein war fröhlich, denn er dachte daran, daß er im Begriff stand, seinen Gläubigern zu entgehen." Amerantus war der Kapitän, der zu sterben wünschte, weil er tief verschuldet war. Unter der Leitung dieses lebensüberdrüssigen Kapitäns, des makkabäischen Steuermannes und des kritischen Beobachters, der ein erhabener Bewunderer der Hypatia war, muß jene Reise ein ganz besonderes Vergnügen gewesen sein. Wie das oft im Leben der Fall ist, drängte der Humor des Augenblicks die Tatsache zurück, daß das Leben der Beteiligten wirklich in Gefahr war. Schließlich endete alles vorzüglich. „Was uns anbelangt", sagt Synesius weiterhin, „sobald wir das ersehnte Land betreten hatten, umarmten wir es, als wäre es eine lebendige Mutter. Als ich, wie gewöhnlich, Gott zum Dank einen Lobgesang anstimmte, fügte ich