Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Wanderungen im Mittelalter
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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169 Gasthäusern Quartier nahmen, aber bei der Table d’hote konnten sie sich mit der übrigen Gesellschaft nicht vereinigen. Auch der Sabbat brachte manche Unannehmlichkeiten mit sich, obwohl die Reisenden stets ihre Kräfte bis zum äußersten anstrengten, um am Freitag Abend eine jüdische Gemeinde zu erreichen, mitunter gebrauchten sie, wie wir gesehen haben, sogar übernatürliche Hilfe. Wir müssen diese Erzählung vom Bachur unterbrechen, um an ein weit früheres Beispiel zu erinnern, in welche unangenehme Lage ein frommer jüdischer Reisender infolge der Sabbatgesetze gelangen konnte. Im letzten Jahre des 4. Jahrhunderts, berichtet der spätere Bischof Synesius von Cyrene in einem Briefe an seinen Bruder über eine Reise von Alexandrien nach Konstantinopel, und erzählt einen Vorfall, der so recht zeigt, in welcher Weise der Sabbat die Juden beim Reisen behinderte. Synesius verfällt in einen sarkastischen Ton, der nicht absolut unfreundlich genannt werden darf. „Seine Heimreise", sagt er darin, „war abenteuerlich". Es ist bedauerlich, daß wir nicht über genügend Raum verfügen, um Synesius' bezaubernde Erzählung ausführlich wiederzugeben. Sein jüdischer Steuermann ist ein Mensch, über den sich viel sagen läßt. Es waren 12 Mann Besatzung, und der Steuermann war der dreizehnte; mehr als die Hälfte, der Steuermann einbegriffen, waren Juden. „Es war", so sagt Synesius, „der Tag, den die Juden den Vorabend nennen; sie rechnen die Nacht schon zum nächsten Tag, an dem es ihnen nicht gestattet ist, eine Arbeit zu verrichten. Aber sie ehren den Tag besonders und ruhen an ihm. So ließ der Steuermann das Steuer seinen Händen entgleiten, als er annahm, daß die Sonne auf dem Festlande untergegangen wäre. Er warf sich nieder und „jeder Mann an Bord hätte ihn niedertreten können". Wir verstanden zuerst nicht den Grund dieses seltsamen Verhaltens, wir sahen es als Verzweiflung an und gingen zu ihm und beschworen ihn. noch nicht alle Hoffnung fahren zu lassen. Denn die gewaltigen Wellen dauerten noch fort, und das Meer war im Kamps mit sich selber, das aber geschieht nur, wenn der