Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 165

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Wanderungen im Mittelalter
Date
1914-01-01
Page
Seite 165 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111100-3116302--4757-3116497
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

165 o Herr, mich wieder sicher aus diesem Ort hinauszubringen", und wenn er ihn dann wirklich verließ, dann schickte er ähnliche Gebete zum Himmel empor, die so rührend 'und vielsagend sind. Im ersten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung wurden viele Reisen unternommen, um den Didrachmos zu übermitteln, den die Juden aus fast allen Teilen der bekannten Welt nach dem Tempel zu Jerusalem schickten. Philo sagt von den Juden jenseits des Euphrats: „Jedes Jahr werden die heiligen Boten gesandt, um reiche Summen von Gold und Silber nach, dem Tempel zu bringen, welche aus allen untergeordneten Staaten gesammelt werden. Sie reisen über rauhe, schwierige, fast unwegsame Straßen, die sie jedoch als eben und leicht betrachten, weil sie sie nach dem Ort ihres frommen Gefühls führen." Und der Weg wurde, auch noch auf andere Weise leichter gemacht. Die Reisen wurden oft in der Einbildung dadurch abgekürzt, daß der Glaube vorherrschte, durch überirdische Hilfe könnten die Meilen gänzlich zusammenschrumpfen. Rabbi Natronai soll, wie berichtet wird, die Wunderkraft besessen haben, eine Reise von mehreren Tagen in einem kurzen Augenblick zurückzulegen. Ebenso erzählt Benjamin von Tudela, daß David Alloy, der sich im 12. Jahrhundert als Messias ausgab, nicht nur die Fähigkeit besaß, sich nach Wunsch sichtbar und unsichtbar zu machen, sondern daß er ebenso auf seinem Turban einen Fluß durchkreuzen konnte und daß er mit Hilfe des göttlichen Namens einen Weg von 10 Tagen in der Zeit von 10 Stunden zurückzulegen vermochte. Ein anderer jüdischer Reisender beruhigte das Meer, indem er Gott anrief, und wieder ein anderer, indem er den heiligen Namen auf einen Papierstreifen schrieb und in das Meer warf. „Habe keine Sorge", sagte er bei einer anderen Gelegenheit zu seinem arabischen Begleiter, als am Freitag Nachmittag die Schatten immer dichter wurden und sie noch weit entfernt von ihrer Heimat waren. „Mache Dir keine Sorge, wir werden vor Anbruch der Nacht ankomnzen", und da er seine wunderwirkende Kraft betätigte, konnte er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.