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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 162

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Wanderungen im Mittelalter
Date
1914-01-01
Page
Seite 162 (sequence 5)
Language
German
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— 162 Der jüdische Reisende ließ in den meisten Fällen sein Weib zu Hause zurück. Unter gewissen Umständen durste er sie zwingen, mit ihm zu gehen, z. B. wenn er beschlossen hatte, nach Palästina überzusiedeln; andererseits hatte die Frau das Recht, den Mann daran zu hindern, sie im ersten Jahre nach der Eheschließung zu verlassen. Es kam ebenfalls vor, daß Familien zusammen auswanderten. In den meisten Fällen jedoch blieben die Frauen zu Hause, und nur ganz selten schlossen sie sich selbst den Pilgerfahrten nach Jerusalem an. Das ist ein auffallender Gegensatz zur christlichen Sitte, denn unter den Christen waren gerade die Frauen besonders begeistert für die Pilgerfahrten. Tatsächlich wurden Pilgerfahrten nach dem heiligen Lande in den Kreisen der Kirche nur darum volkstümlich, weil die Kaiserin Helena, die Mutter Konstantins des Großen, sich dafür begeisterte und 326 das wahre Kreuz auffand. Jedoch lesen wir auch von einer alten Jüdin, die nach allen Städten von Europa Pilgerfahrten unternahm mit dem Vorsatz, auf ihrer Reise in allen Synagogen zu beten. Wir wissen jetzt aus der Chronik des Achimaaz, daß Juden im 10. Jahrhundert Jerusalem besuchten. Aronius berichtet in seinen Regesten folgenden interessanten Vorfall: Um den Erzbischof von Mainz in seinem prahlerischen Dilettantismus und Eigendünkel zu schwächen, veranlaßte Karl der Große zwischen 787 und 813 einen jüdischen Kaufmann, der oft Palästina zu besuchen und unbekannte und wertvolle Luxusgegenstände von dort nach dem Westen zu bringen pflegte, dem Kirchenfürsten einen Streich zu spielen. Der Jude verkaufte ihm infolgedessen eine Maus zu einem hohen Preise und redete ihm vor, daß dies ein seltenes Tier sei, das er aus Judäa mitgebracht habe. Am Anfang des 11. Jahrhunderts gab es eine vollständig organisierte jüdische Gemeinde mit einem Beth Din in Ramleh, einige Wegstunden von Jaffa entfernt. Aber Juden pflegten Palästina nicht in größerer Zahl zu besuchen, bis schließlich Saladin gegen Ende des 12. Jahrhunderts das Heilige Land wieder unter mohammedanische Herrschaft brachte. Von jener Zeit an

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