Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Hofrat Professor Dr. David Heinrich v. Müller
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
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153 gerettet von seinem Herrn. Bei Dir soll er wohnen, in Deiner Mitte, an einem Orte, den ec wählen wird in einem Deiner Tore, wo es ihm gnt dünkt. Du darfst ihn nicht drücken." Unter den Gesetzen für den Arbeiter lautet § 280: ״Wenn der Baumeister durch einen nachlässigen Bau den Sohn des Hauseigentümers totschlägt, so tötet man den Sohn jenes Baumeisters." Dagegen protestiert die Thora (Deuteron. 2416): ״Nicht sollen die Väter wegen der Kinder und nicht die Kinder wegen der Väter getötet werden, jeder soll für sein Verbrechen getötet werden." Außerdem wird Exod. 21, Numeri 35 u. a. Oausdrücklich betont, daß nur absichtlicher Totschlag mit dem Tode bestraft werden soll. Jenes altsemitische Gesetz, sagt Müller, hat durch das mosaische Gesetz eine die Weltordnung umstürzende Aenderung erfahren, die sich schon in der ersten an den Dekalog anknüpfenden Vorschrift (Exod. 21) dadurch manifestiert, daß das Sklavengesetz nicht wie bei Hammurabi zum Schluß, sondern an die Spitze der Gesetzgebung gestellt wurde; daß ferner dem Sklaven bei Hammurabi, wenn er den Willen aussprach, kein Sklave sein zu wollen, zur Strafe das Ohr abgeschnitten wurde, während ihn die Thora, wenn er von der mit dem 7. Jahre eintretenden Befreiung —■ analog dem 7. Tage der Woche — keinen Gebrauch machen will, zur Strafe mit der schimpflichen Bohrung des Ohres stigmatisierte. Den schärfsten Protest gegen jede Art von Unmenschlichkeit und Menschenhaß bildet die leuchtende Vorschrift: ״Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" (Lev. 1918). Und um nur ja jedes Mißverständnis zu beseitigen, heißt es daselbst Vers 33: ״Wie der einheimische Bürger soll der Fremde unter Euch sein, der sich bei Euch aufhält. Du sollst ihn lieben wie Dich selbst", womit das mosaische Gesetz die Grundlage alles göttlichen und menschlichen Rechtes festgelegt hat. Auch die Historizität und Wahrhaftigkeit der Patriarchengeschichten, die die Bibelkritiker so gerne als Sagen hinstellten, fand in den Hammurabigesetzen, die die Verhältnisfe der Patriarchenzeit genau Wiederspiegeln, eine glänzende Bestätigung. Bei weiterer Untersuchung