Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Hofrat Professor Dr. David Heinrich v. Müller
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
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150 Ansehen in der Gelehrtenwelt. Sie warfen ein neues Licht auf die Ethno- und Topographie sowie auf die Kulturgeschichte Südarabiens, was auch der jüdischen Geschichts- und Sprachwissenschaft zu gute kam, da die südarabischen Sprachen aufs engste mit dem Hebräischen verknüpft sind, und Südarabien es war, wo nach der zweiten Zerstörung Jerusalems zahlreiche Juden eine neue Heimat fanden und sogar die jüdische Religion dort bedeutenden Einfluß gewann. Zur literarischen Tätigkeit dieser Periode wären noch die ״Rezensionen und Versionen des Eldad had- Dani" (1892), eine mustergiltige Leistung für textvergleichende Arbeiten und ״Die altsemitischen Inschriften von Sendschirli" (1893) zu zählen. Die Eröffnung der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien im Jahre 1893, an die Müller zur Uebernahme der bibelexegetischen, grammatischen und religionsphilosophischen Vorlesungen berufen wurde, bedeutet den Anfang einer neuen Periode in seinem wissenschaftlichen Schaffen. Von nun an beginnt eine Erweiterung seines Forschergebietes, eine Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit und ein nicht unberechtigtes Wachsen seines Gelehrtenruhmes. Als Universitätsprofessor setzte er seine Arbeiten auf semitologischem Gebiete wacker fort, die er teils als selbständige Publikationen, wie z. B. ״Die epigraphischen Denkmäler aus Abessynien" (1894), teils in der von ihm redigierten ״Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes" veröffentlichte. Aber auch als Professor an der theologischen Lehranstalt fühlte er die Pflicht, seinen Mann zu stellen. So führten ihn Schaffensfreude und Pflichteifer auf neue Bahnen, svo er mit genialer Originalität Werke bleibenden Wertes schuf. Er begann im Wintersemester 1893—94 seine Vorlesungen mit der Erklärung des Propheten Ezechiel. Im Herbste 1894 erschienen als erste Frucht seines exegetischen Kollegs ״Die Ezechielstudien". Man kann sich zu seiner Auffassung über Prophetie und das Merkabaproblem ganz ablehnend stellen, und doch wird man seinen scharfsinnigen, höchst originellen Lösungsversüchen dieser so