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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 148

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Hofrat Professor Dr. David Heinrich v. Müller
Date
1914-01-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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-- 148 Freundschaft verknüpfte. Dieser verdanken wir der von ihnen im Verein mit I. v. Schlosser im Jahre 1898 erfolgten Herausgabe der kulturhistorisch berühmten ״Haggadah von Serajewo"?) Nach kurzem Aufenthalt in Breslau erkannte Müller, daß er für den Rabbinerstand nicht geschaffen sei. Es war nicht gerade die äußere Erscheinung, die ihm im Wege stand, denn er war von kräftiger, untersetzter, guter Mittelgestalt. Auch war er mit rabbinischem Wissen ausgestattet. Allein es fehlte ihm die Fähigkeit zu irgend welcher Posierung, wie es zum' Wesen des modernen Predigers gehörte. So gab er denn seinen Plan auf und ging nach Wien. Dies war ein wichtiger Wendepunkt in seinem Leben. Hier bezog er 1869 die Universität, trieb anfangs historische und germanische, dann ausschließlich orientalische Studien, die er 1873—75 an den Universitäten Leipzig und Straßburg unter Fleischer und Nöldeke fortsetzte. Im Jahre 1875 kehrte er nach Wien zurück und wurde zum Doktor der Philosophie promoviert. Von früher Jugend mit dem Hebräischen und Aramäischen innig vertraut, vermochte er es durch außerordentliche Begabung und Hingebung während dieser Hochschulzeit so weit in der Kenntnis der semitischen Sprachen, insbesondere der arabischen Literatur zu bringen, daß er bald darauf 1876 auf Grund seiner wissenschaftlichen Leistungen die Dozentur und fünf Jahre später, währenddessen er Studienreisen nach London, Paris und Konflantinopel machte, den Rang eines außerordentlichen Professors erlangte. Ich erinnere mich, wie er einmal halb scherzhaft, halb ernst die Bemerkung machte, er habe das Glück gehabt, bei seinen Ernennungen nicht nach seiner Konfession, sondern wissenschaftlichen Fähigkeit berücksichtigt worden zu sein. Im Jahre 1885 wurde er zum ordentlichen Professor für semitische Sprachen und 1889 zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien ernannt. Ueber die Bedeutung dieses monumentalen Prachtwerkes für die jüdische Kunstgeschichte dgl. den trefflichen Aufsatz ״Die Haggadah von Mantua (1560)" von Dr Th. Zlocisti in ״Ost und West" 1904 Nr. 4.

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