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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 146

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Hofrat Professor Dr. David Heinrich v. Müller
Date
1914-01-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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146 archäologische Kenntnisse schöpfte, waren keine Seltenheit in der bescheidenen Hausbibliothek eines Maskil. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß 91 Pinchas Elia aus Wilna im Jahre 1796 sein ספר הברית, eine Art hebräischer Enzyklopädie über die damalige Chemie, Physik, Anatomie, Astronomie, Geographie, aber auch über Prophetie, Kabbala, Ethik u. a., in Buczacz schrieb (s. dessen I. Einleitung). Das Werk fand sehr rasche und weite Verbreitung (s. die II. Einleitung) und wurde anfangs irrtümlicher Weise dem Wilnaer Gaon R. Elia zugeschrieben. Erfreulicher Weise genoß hier auch das methodische und gründliche Bibellernen im Vereine mit hebräischer Grammatik eine sorgfältige Pflege, die gewiß bei so manchem Sinn und Interesse für Philologie zu Wecken imstande war. So hatte ich da in meiner Jugend noch das Vergnügen, den damals bereits Hochbetagien Greis R. Wolf Pohorille zu kennen, der, Kaufmann von Beruf,׳ ein immenses jüdisches Wissen besaß, mehrere Werke grammatischen, exegetischen, philosophischen, talmudischen, yalachischen, ja auch kabbalistischen Inhalts verfaßte und dabei ein gediegener Kenner des Arabischen und Syrischen war. Er stand auch mit einigen Orientalisten in brieflichem Verkehr. In dieser geistigen Atmosphäre wuchs David Heinrich Müller heran. Er wurde nach allgemeinem Brauche schon früh in die Kenntnis der Bibel und des Talmuds eingeführt, worin er vermöge seiner bedeutenden Geistesgaben große Fortschritte machte. Von dem Cheder kam er ins Beth-ha-Midrasch, der Stätte selbständigen.Lernens. Der Talmud war seit jeher eine der ergiebigsten Bildungsquellen für jeden Juden. Er entwickelte Geist und Herz und verlieh seinen Jüngern die Fähigkeit des exakten, wissenschaftlichen Denkens und geistiger Selbständigkeit. Auch für den jungen Müller war das jüdische Lehrhaus mit dem fleißigen Talmudstudium eine vortreffliche Schule zur Erweckung und Schärfung seiner geistigen Kräfte, zur Entwickelung der schöpferischen Kraft zu kombinieren und des das Kleinste analysierenden Scharfsinns. Anderseits

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