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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 142

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Die Predigt im Judentum
Date
1914-01-01
Page
Seite 142 (sequence 17)
Language
German
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142 vieles, was uns verloren gegangen ist. Sie soll zu einer jüdischen Tribüne gemacht werden, zu einer Stätte, von der aus die Gemeinde vom Judentum hört und in jüdischem Sinne beeinflußt wird. Die jüdische Predigt muß jüdisch sein. Das ist eine moderne Forderung. Vor 160 Jahren hätte sie noch kein Mensch erhoben. Damals lebte und webte der Jude in der Welt des Judentums, und wie nach dem Worte des Talmud die Luft Palästinas weise macht, so machte die Judengasse den Menschen zum Juden. Hätte man einem Rabbiner der alten Zeit gesagt, er müsse jüdisch predigen, so wäre er gerade so erstaunt gewesen wie bei Moliere, Herr Joudain, der Bourgeois gentilhomme da er erfährt, daß er Prosa spricht. Aber alles das hat sich im Laufe des 19. Jahrhunderts von Grund aus geändert. Wir sind ganz Kinder unserer Zeit geworden/ wir atmen von Jugend auf ihre Luft, wir sind aufs Tiefste von ihr durchdrungen, wir lieben sie, und sie spricht aus jedem unserer Worte. Wir wollen uns ihr auch hingeben, aber wir wollen nicht in ihr versinken. Wir wollen moderne Menschen sein, aber nicht schlechthin, nicht Kosmopoliten, nicht Allerweltsbürger, die überall und deshalb nirgends zuhause sind, sondern wir wollen moderne Juden sein. Unter all den vielen Elementen, die unser Wesen bilden und ausmachen, soll das Judentum stark und kräftig hervortreten. Es soll auch in Zukunft nicht verstummen, sondern weiter auf uns wirken und uns bilden und umgestalten. Darum muß ihm eine Stätte bereitet werden, wo es uns bewegen und ergreifen kann. Das ist weder selbstverständlich, noch leicht zu erfüllen. Es ist nicht selbstverständlich. Im Gegenteil. Mancher sieht sein Ideal in einer ganz allgemeinen Predigt, die überall gehalten werden könnte. Eine „jüdische" Predigtsammlung der neueren Zeit rühmt sich direkt, daß sie ganz allgemeine Reden ohne jüdischen Charakter bietet. Wir hören auch bisweilen in der Synagoge Predigten, die in jeder Kirche und in jeder

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