Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Die Predigt im Judentum
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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140 deutsche Predigt wurde im Oktober 1808 in der Synagoge zu Dessau von dem Lehrer Josef Wolfs in Gegenwart des Herzogpaares gehalten. Man kann sie bei Kayserling (Bibliothek jüd. Kanzelredner Bd. 1 Seite 8) Nachlesen. Die Predigt hat sich nicht ohne Kampf in der Synagoge durchgesetzt. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, daß man in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts allenthalben der Meinung war, sie sei dem jüdischen Gottesdienst überhaupt fremd, ihre Einführung sei eine Anpassung an den christlichen Kultus. Richtig war daran nur, daß in den traurigen Zeiten seit dem 16. Jahrhundert in dem allgemeinen Niedergang auch die Kunst der Rede aus der Synagoge geschwunden war. Als nichtjüdische Sitte erschien die Predigt den strenggläubigen Juden. Ihre, im Einzelnen garnicht unbegründeten Bedenken hat Wohlgemuth (Beiträge zu einer jüd. Homilethik S. 1 ff) lichtvoll dargestellt. Die preußische Regierung hielt gleichfalls die Predigt für eine unjüdische Einrichtung, sie sprach ein Machtwort. Anfangs der zwanziger Jahre brachen in Berlin, heftige Streitigkeiten um die Einrichtung des Gottesdienstes aus. Friedrich Wilhelm III. machte ihnen ein Ende, indem er neben anderen Neuerungen auch die Predigt verbot. Eine Kabinettsordre vom 9. Dezember 1823 (abgedruckt bei Rönne u. Simon, „Die früheren und gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in den sämtlichen Landesteilen des preußischen Staates." Breslau 1843. S. 93) bestimmte, „daß der Gottesdienst der Juden . . . nach dem hergebrachten Ritus, ohne die geringste Neuerung in der Sprache und in der Zeremonie ganz nach dem alten Herkommen gehalten werden solle." Damit war die Predigt fürs erste aus der Synagoge verwiesen. Aber nicht für lange. Der Grundirrtum, daß die Predigten dem jüdischen Gottesdienste fremd, daß sie dem christlichen Kultus entlehnt sei, sollte bald zerstreut werden. Unser größter Gelehrter, Leopold Zunz, wandte sich, veranlaßt durch den Widerstand, den die Predigt fand, der Untersuchung ihres Ursprungs zu, und im Jahre 1832 zeigte er in seinem großen Werke