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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 139

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Die Predigt im Judentum
Date
1914-01-01
Page
Seite 139 (sequence 14)
Language
German
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139 Die Deraschah hatte auch viele Schattenseiten, war sie oft außerordentlich geschmacklos. Dieser Fehler erklärt sich aus den ungemein engen Verhältnissen zu suchen, in denen dse Juden des Ostens lebten und leben. Man findet bei unseren Geschichtsschreibern oft harte Worte darüber. Aber eines darf man über allen Mängeln dieser Predigtgattung nicht vergessen. Sie sind voller Leben, sprühend von Geist und niemals langweilig. Wo ein von der Bildung unserer Zeit genährter Geist in dieser'Form sich geäußert hat, hat er immer auch moderne Zuhörer gepackt. Der Wiener Prediger Jellinek, der auf eine ganze Generation österreichischer Prediger ungemeinen Einfluß gewonnen hat, hat seine großen Erfolge aus dem Wege einer modernen Deraschah errungen. III. Sie war auch in den Synagogen Deutschlands bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zuhause. Die Rabbiner predigten zwar, wie schon erwähnt, selten; ihre Hauptaufgabe war das Talmudstudium und die Unterweisung der fortgeschrittenen Schüler. Dafür waren aber Wanderprediger häufige Gäste im Gotteshause. Sie zogen von Ort zu Ort, von Land zu Land und hielten überall ihre Vorträge. Solche „Maggidim" waren zum Teil außerordentlich beliebt, ihre Ankunft war nicht selten ein Fest für die Gemeinde. Wir finden sie gelegentlich noch heute in Amerika, in manchen Gegenden von Süddeutschland, vielleicht auch noch anderwärts. Aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts schlug der alten Deraschah in Deutschland ihre Stunde. Das ganze Leben des Juden änderte sich. Er verließ das Ghetto, nahm statt seines Jargon die deutsche Sprache an, besuchte deutsche Schulen und wollte seine ganze Lebensweise seiner Umgebung anpassen. Auch der Gottesdienst sollte geändert werden. Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Ruf nach Reform immer lauter, und ganz besonders verlangte man nach deutscher Predigt, in kunstvoller Rede, in reindeutscher Sprache. Die erste hoch-

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