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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 137

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Die Predigt im Judentum
Date
1914-01-01
Page
Seite 137 (sequence 12)
Language
German
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137 ein Jehuda Muskato, ein Asaria Figo vermögen uns auch heute noch zu packen. Sie haben auch nicht nur für ihre eigene Zeit gewirkt. Nichts Gutes geht verloren im geistigen Leben. Einige ihrer Predigtsammlungen sind zu jüdischen Volksbüchern für Gebildete geworden, so die Akedath Jizchak von Jsaac Arama oder Binah Laittim von Figo. Diese Bücher werden heute noch von Predigern viel benutzt. Ein ganz anderes Gesicht wiederum zeigen die polnischen Prediger, die klassischen Vertreter einer bestimmten Form der jüdischen Predigt, der Deraschah. Diese Deraschah ist ganz aus den Zuständen der östlichen Juden herausgewachsen. Ein reich befähigter, geistig hochstehender Volksstamm lebte in den denkbar engsten Verhältnissen, von allem Verkehr mit der Welt, von aller Erholung und Zerstreuung abgeschnitten. Das Einzige, das ihnen Licht und Wärme brachte, war die Beschäftigung mit der Thora. Sie war dem polnischen Juden ein und alles, und die Predigt mußte ihm vieles bieten. ’ Sie schloß sich zwar an Bibel und Talmud an, aber sie durfte sich nicht damit begnügen, sie nur zu erläutern und auf das Leben anzuwenden. Viel mehr sollten sich Reichtum und Gewandheit des Geistes in der Predigt entfalten. Man erwartete von ihr nicht die einfache, klare Darlegung des göttlichen Wortes. Die Predigt sollte vor allem geistreich sein, der Hörer wollte ein „gutes Wörtchen", wie man es nannte, mit nach Hause nehmen. Aber der Gesichtskreis des polnischen Juden war eng. Er kam aus seiner kleinen Welt nicht heraus, und so wurde eine Unsumme von Scharfsinn, Witz und Geist spielerisch verbrauchte Schwierigkeiten wurden künstlich geschaffen und ebenso künstlich gelöst. Verborgene Beziehungen zwischen zwei Stellen von Bibel und Talmud wurden behauptet, die auf den ersten Blick niemand sieht, und die behaupteten Widersprüche wurden dann gelöst durch Heranziehung von Stellen, die mit dem Ganzen anscheinend auch keinen Zusammenhang haben. Die „Darschanim" schöpften dabei aus einer absoluten, innigen Vertrautheit mit Bibel und

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