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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 135

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Die Predigt im Judentum
Date
1914-01-01
Page
Seite 135 (sequence 10)
Language
German
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135 kam ihnen entgegen, oft mehr als der Halacha, dem strengen Studium. Der Talmud erzählt uns einmal, wie zwei große Lehrer in eine Stadt kamen, um dort zum Volke zu sprechen. Der eine hielt einen Vortrag über eine Frage des Gesetzes, der andere predigte. „Da verließen alle den Vortrag und liefen dem Midrascherzähler zu/' Das ist begreiflich. Im scharfen Gegensatz zu der griechischen Art, die wir an Philo kennen gelernt haben, bewegt sich der Midrasch ganz auf der Erde und schildert menschliche Verhältnisse. Feinfühlig hört er die leisen Töne aus den biblischen Erzählungen heraus. Davon mögen einige Beispiele aus dem Leben unserer Stammutter Rebekka ein Bild geben. In der Erzählung von ihrem väterlichen Hause wird Rebekka bezeichnet als „die Tochter Bethuels, des Aramäers, die Schwester Labans, des Aramäers". Das deutet der Midrasch unter Verwertung eines hebräischen Wortspiels, das wir hier nicht wiedergeben können, so: „ihr Vater war ein Betrüger, ihr Bruder war ein Betrüger, die Leute, wo sie wohnten, waren Betrüger. Die Edle wuchs in diesem Kreis auf, wie die Rose unter den Dornen." Die Erzählung von ihrem Zusammentreffen mit Isaak schließt mit den Worten: „Isaak brachte die Rebekka in das Zelt Saras, seiner Mutter; er nahm sie sich zum Weibe, liebte sie, und es tröstete sich Isaak wegen des Verlustes seiner Mutter." Das hat ein Prediger seinen Zuhörern folgendermaßen erklärt: „Es kam Isaak vor, als ob ihm in seinem Weibe auch seine Mutter wieder auserstanden sei. Solange Sara lebte, brannte das Licht am Sabbat. Die Wolkensäule ruhte auf dem Hause, und Segen war in jedem Tun. Mit dem Tode Sara's war alles verschwunden, aber mit dem Einzug Rebekkas kehrte es wieder, denn aller Segen im Hause kommt von der Frau." Im Midrasch liegt die Poesie des Judentums jener Jahrhunderte verborgen und wartet darauf, von uns neu belebt zu werden. Deshalb findet er auch heute nochleichtseinenWegzu denHerzen der Menschen. Eine neue Blüte brach für die jüdische Predigt später in Italien und Spanien an. Die südländischen

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