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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 132

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Die Predigt im Judentum
Date
1914-01-01
Page
Seite 132 (sequence 7)
Language
German
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132 gut Unterrichteten auch die Lehrer des Talmud, sind durch den Religionsunterricht zum geistigen Gemeingut geworden. Die Predigt kann also überall an Bekanntes anknüpfen, kann eine Fortsetzung der Religionsstunde sein und vermag nun dem Manne in der Sprache des Mannes zu sagen, was er einst als Kind in der Sprache des Kindes vernommen hat. Sie trifft gepflügten Boden und weckt überall halbvergessene Erinnerungen. Darum ist der Prediger in günstigerer Lage, als der Vortragende. Der Vortrag ist eine sporadische Erleuchtung. Wie ein Meteor taucht irgend eine interessante Frage im Gesichtsfeld des Hörers auf, für eine flüchtige Stunde wird die Aufmerksamkeit gefesselt, dann verschwindet der Gegenstand, um vielleicht nie mehr in der Erinnerung belebt zu werden. Er kam ohne Vorbereitung und geht ohne Nachhall. Die Predigt aber knüpft an die Arbeit der Schule an, an die Gedanken und Ideen, die im Volke leben. Was sie bietet, kann sie überall an Bekanntes anlehnen, es bleibt nicht vereinzelt. Sie wird dadurch nicht zur Kunstleistung eines Rhetors, sondern zu einem Organ der Volkserziehung. Sie wird ferner ein Symbol für die Einheit des Judentums. Wir. können das heute am eignen Leibe erleben, wenn wir eine jüdische Predigt in einem fremden Lande, in fremder Sprache, vernehmen. Ich hörte einmal im Tempel der Sephardim zu Wien eine Predigt in spaniolischer Mundart. Die Worte waren mir völlig unbekannt und völlig unverständlich, aber der häufig wiederkehrende Schriftvers und die zahlreichen Midraschim ließen doch gut erkennen, was der Prediger wollte. Ihr Anteil an der Heiligen Schrift und an der rabbinischen Ueberlieferung gliedert auch heute noch jede einzelne Rede im Gotteshause ein in das große Gefüge und Gebäude der jüdischen Predigt, zu dem alle Zeiten und alle Länder Bausteine geliefert haben. So verbindet die Bibel alle Epochen der jüdischen Predigt. Die vielen Jahrhunderte unserer Geschichte haben alle in ihrer eigenen Sprache das Judentum verkündet, und man kann auch aus der Predigt die Eigen-

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