Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Neue Bund in Damaskus
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 23)
- Language
- German
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119 Auch die Rabbinen des Judentums stritten über Gesetze und Gebräuche. Man kennt den Streit der Schulen Hillels und Schammais, und Mischna und Gemara sind voll von Diskussionen zwischen den Gesetzeslehrern. Aber zu einer Sektenbildung, zu einer Abtrennung vom ganzen Volke kam es nicht. Nur zweimal traten im Verlaufe der jüdischen Geschichte große Parteien hervor, deren Mitglieder Juden waren und Juden bleiben wollten und die sich trotzdem in einen entschiedenen Gegensatz zu dem Hauptteil ihrer Stammesgenossen stellten. Das waren im Altertum die Sadduzäer und Essäer, im Mittelalter die Karäer. Sadduzäer und Karäer leugneten die Verbindlichkeit der Tradition, wollten die alten Volkssitten abschaffen und nur die Thora anerkennen, über den Essäern schwebt ein.noch ungelichtetes Dunkel. In unserer Sekte tritt uns nun eine neue jüdische Gemeinschaft entgegen, die das Band zwischen sich und den Stammes genossen zerschnitt, und es ist die Frage, ob wir sie dem größeren Kreise der Sadduzäer anreihen dürfen oder ob sie trotz aller Verschiedenheit in Sitte und Glauben zu den Pharisäern gehörte. Die Beantwortung der Frage ist deshalb so überaus schwierig, weil in dem Gesetzbuch der Sekte neben vielen unpharisäischen Bräuchen sich Vorschriften finden, die wir auch bei den Rabbinen Nachweisen können. Die Pharisäer und mit ihnen noch die heutigen Juden fingen die Sabbatruhe schon vor Einbruch der Nacht an und bewegten nichts, was sie am Sabbat nicht gebrauchen dursten, genau, wie es unsere Sekte tat. Aber trotzdem können wir mit völliger Sicherheit behaupten, daß die Sekte des Neuen Bundes durch und durch unpharisäisch war, ja, die Gegner, die sie mit so scharfen Worten angreift, waren selber gerade die Pharisäer. Die kleine Schrift, die uns erhalten ist, will selbstverständlich nicht solche Vorschriften anführen, die ohnehin das ganze Volk beobachtete, sondern sie will uns die Bundesgesetze geben, Bestimmungen, in denen sich die Sekte von allen anderen Juden unterschied. Wenn wir nun trotzdem manches darunter finden, das uns pharisäisch klingt, dann müssen