Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Neue Bund in Damaskus
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111100-3116299--4704-3116447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
115 gingen noch weiter. Reine Tiere durfte man den Heiden nicht verkaufen, aus der Befürchtung heraus, sie könnten sie ihren Göttern opfern. Nicht Sklaven und Mägde, nichts von der Tenne und von der Kelter sollte ihnen verkauft werden. Ihre Rechtsprechung stand in Verruf: Wer einen Juden einem heidnischen Gericht überliefert, ist des Todes schuldig. Aber andererseits nahm man doch wieder Rücksicht auf sie. Um des Gewinnes willen sollte man sie nicht töten, ja man sollte von ihnen nicht einmal Hab und Gut mit Gewalt nehmen, damit sie nicht Gott lästerten. Der Besitz galt den Juden nichts, sobald ideale Güter in Frage kamen, und in der Absonderung von den Heiden sah man etwas Gottgewolltes. Deshalb war auch die Abschließung am Sabbat ganz besonders streng. Nicht einmal in der Nähe von Heiden sollte man den heiligen Tag begehen, um nicht von ihnen verunreinigt zu werden. Einen Nichtjuden am Sabbat zu beschäftigen, wie es die pharisäischen Juden zu allen Zeiten taten, wies die Sekte des Neuen Bundes weit von sich. Dieser Neue Bund'war nicht gekommen, um zu erleichtern und Gesetze aufzuheben, um die Heiden zu bekehren und ihnen eine neue Botschaft zu bringen, sondern man häufte Erschwerung auf Erschwerung, um nur nicht das Gesetz Gottes zu übertreten. Darin aber besteht bei aller sonstigen Ähnlichkeit in einzelnem der fundamentale Gegensatz zum Christentum. In der Stellungnahme gegen die Sabbatvorschristen kommt die Verschiedenheit zwischen dem Neuen Bund in Damaskus und dem neuen Testament am augenfälligsten zum Vorschein. Die Evangelien lassen bereits Jesus gegen die Sabbatgesetze der Pharisäer, ja sogar gegen das Sabbatgesetz der Thora überhaupt auftreten: „Des Menschen Sohn ist Herr über den Sabbat"*) — und historisch ist jedenfalls, daß bereits in der ältesten Christenx) „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbates willen", womit der bekannte Spruch des R. Simon ben Menaßja fast identisch ist: „Euch ist der Sabbat übergeben und nicht ihr dem Sabbat" (Mechilta zu 2. B. Mos. 31, 13 u. 14). 8*