Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Neue Bund in Damaskus
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111100-3116299--4701-3116444- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
112 Wichtigkeit eingeräumt wurde, der Mischung von Fleisch und Milch und den Schlachtregeln, ist hier so wenig die Rede wie im neuen Testament. Die Bestimmungen der Thora waren in jener Zeit zweifellos noch nicht wesentlich weiter ausgebaut, und es handelte sich nur darum, was nach der Thora verboten sei oder nicht. Und hierbei finden wir, daß das pharisäische Judentum in einem Punkte merkwürdig tolerant war. Es erlaubte den Genuß des Bienenhonigs, obwohl alles, was von einem unreinen Tier stammt, verboten war und die Biene als Insekt ein unreines Tier ist. Hiergegen lehnte sich unsere Sekte auf: „Der Mensch soll sich nicht zum Abscheu machen durch alles Lebende und Gewürm, von ihnen zu essen, von den Honigwaben der Bienen an bis zu aller lebenden Seele, die im Wasser kriecht". Das Bestreben, die Thora buchstäblich und vollkommen zu halten, auch dort, wo Sitte und Herkommen anders entschieden, führte dann noch zu weiteren Verboten. Die Thora untersagt, Aas zu genießen. Die Sekte des Neuen Bundes verstand unter diesem Begriff auch die verendeten Fische und verlangte, daß die Fische geschlachtet und das verbotene Blut entfernt werden sollte. Auch Heuschrecken, die nach dem Gesetze zum Genüsse erlaubt sind, müssen lebend ins Feuer zum Braten oder ins Wasser zum Kochen gebracht werden. Geschlachtet brauchen sie nicht zu werden. Es ist selbstverständlich, daß die pharisäischen Juden, die alle diese Gebote nicht halten, nach Ansicht unserer Sekte sündigen, sich verunreinigen und den Tempel entweihen. Die Verunreinigung des Heiligtums macht der Neue Bund der Masse des jüdischen Volkes besonders zum Vorwurf. Unreine Opfer sind wertlos, und deshalb hat sich unsere Sekte ebenso, wie es die Essäer taten, vom Volke getrennt und ist nach Damaskus ausgewandert. Es gab unter ihnen Leute, die „den Bund geschlossen haben, die Türen des Heiligtums zu schließen", die nicht mehr Opfer darbringen und sich mit dem Gedanken trösten, daß Gebet besser als Opfer ist. Aber alle Mitglieder der Sekte scheinen nicht auf diesem Standpunkt