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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 109

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Der Neue Bund in Damaskus
Date
1914-01-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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109 Wir wissen nichts Näheres darüber, wie der Gottesdienst des Neuen Bundes gestaltet war und ob für den Unterricht irgendwie gesorgt wurde. Es ist allerdings mit einiger Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß es Schulen gegeben hat. Die Bildung wurde in echt jüdischer Weise hochgeschätzt. Die Bibel scheint außerordentlich fleißig studiert worden zu sein, denn unsere ganze Schrift ist von biblischen Zitaten durchsetzt, wie es im hellenistischen Zeitalter und dann wieder viel später im Mittelalter der Stil der Mode verlangte. Neben der Bibel wurden dann aber auch noch manche anderen Bücher studiert, die wir nicht zum Kanon der heiligen Schriften rechnen, Sagen und Erzählungen, wie das Buch der Jubiläen und eine Geschichte von zwei Zauberern zur Zeit Moses. Die schriftstellerische Tätigkeit unserer Sekte selbst beschränkte sich nicht darauf, die eine Schrift, die uns erhalten geblieben ist, zu schreiben. Die Grundgesetze des Bundes waren auch anderweitig schriftlich fixiert. Die Kenntnis eines Buches „Hagu“ (des Nachdenkens), das man kaum mit dem Pentateuch identifizieren darf, wird von den Beamten der Sekte vorausgesetzt. Der „Mebakker" war der Lehrer der Gemeinde, mag er nun in der Synagoge oder in der Schule die Thora gelehrt und gedeutet haben. Etwas besser kennen wir die soziale Seite der Gemeindetätigkeit, Wir wissen wenigstens, daß die Gemeindemitglieder monatlich. Abgaben zu zahlen hatten, die für wohltätige Zwecke verwandt wurden. Arme, Greise, Bettler, Jungfrauen wurden so unterstützt. Gefangene losgekauft. Auch bei den pharisäischen Juden waren diese sozialen Aufgaben nicht nur der privaten Wohltätigkeit überlassen. Mochte der Neue Bund sich auch noch so sehr von den Stammesgenossen abschließen, das Bildungsideal, die Auffassung von den Pflichten der Gemeinde blieben dieselben und auch in dem Gesetze zeigt sich bei allen eingreifenden Unterschieden doch die gemeinsame Tendenz, das Leben des Einzelnen in allen Einzelheiten nach dem von der Thora vorgezeichneten Ideal zu gestalten.

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