Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Neue Bund in Damaskus
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
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108 Vom Hohenpriester gegen jene Stadt zog, um die dortigen Christen zu verfolgen, wie ihn dann eine Erscheinung vor den Mauern von Damaskus zum Glauben an den Gekreuzigten bekehrte, wie er sich den Christen von Damaskus anschloß und in den Synagogen seinen neuen Glauben predigte. — Die Sekte des Neuen Bundes fandkeinen Paulus, der sie zu einer der Weltreligionen machen konnte. Auch noch in anderen Ortschaften, vielleicht in der Umgegend von Damaskus, hatte die Sekte ihre Niederlassungen, die sie mit dem biblischen Ausdruck „Lager" bezeichnete. Sie wollte sich damit selbst mit den Israeliten auf der Wüstenwanderung vergleichen, die in Zeltlagern gewohnt hatten, als der alte Bund geschlossen wurde. Wie groß diese Gemeinden waren, wissen wir nicht. Es waren darunter auch solche, die nur zehn Mitglieder oder noch weniger zählten. Wenn einmal eine Einteilung nach Tausenden, Hunderten, Fünfzigern und Zehnern erwähnt wird, so darf uns das nicht zu falschen Schlüssen verleiten. Die betreffende Stelle ist nur ein Zitat aus der Bibel. In Wirklichkeit dürfte es Gemeinden von tausend und mehr Mitgliedern kaum gegeben haben. Selbstverständlich war das Streben der Sekte darauf gerichtet, sich auszubreiten. Sie trieb nicht ganz ohne Erfolg Propaganda, wie die uns vorliegende Schrift beweist. Der Neueintretende mußte sich ähnlich wie bei den Esfäern durch Schwur verpflichten, zur Thora zurückzukehren und alle die verschiedenartigen Vorschriften der Sekte zu erfüllen. Manche von diesen Gesetzen wurden geheimgehalten, sie durften einem Nichtmitglied nicht anvertraut werden. Nach dem Eintritt in die Sekte wurden die Neuaufgenommenen in die Listen eingetragen „nach ihren Taten, ihrem Wissen, ihrer Kraft und Stärke und ihrem Vermögen". Danach wären über einen jeden sehr genaue Personalakten angelegt. Aber man weiß nicht, wie viel von diesen Ausdrücken auf Rechnung eines pleonastischen Stiles zu setzen ist. Ueber die Aufgaben, die die Gemeinde sich selbst stellte, sind wir nur äußerst mangelhaft unterrichtet.