Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Neue Bund in Damaskus
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
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107 ihnen nicht die Tore, aber man brachte ihnen auch nicht unbedingtes Vertrauen entgegen Völlige Gleichberechtigung konnten sie nie erringen,, zum Richteramte wurden sie anscheinend nicht zugelassen. Von sonstigen Beschränkungen hören wir nichts. Wie die Israeliten vor den Proselyten, so hatten wieder die Priester vor den Laien eine durch die Geburt begründete Vorzugsstellung. Daß von den zehn Richtern regelmäßig vier aus dem Stamme Levi genommen werden sollten, ist noch das Mindeste. Wichtiger ist, daß der Priester in den Listen an erster Stelle genannt wird und in der Volksversammlung den Ehrenplatz einnimmt. Ja, in kleineren Gemeinden ist er sogar anscheinend das Oberhaupt, nach seinem Ausspruche sollte sich alles richten. Jede Gemeinde von auch nur zehn Mitgliedern sollte ihren Priester haben, der nicht von ihr weichen durste. Gegen die rabbinischen Bestimmungen erhält er jeden Fund, sobald der Eigentümer nicht zu ermitteln ist. Der Bedeutung seines Amtes entsprechend durfte er nur im Alter von 30 bis 60 Jahren fungieren. Außerdem verlangte man von ihm Bildung: er mußte die Bücher der Sekte und vor allem die Thora kennen. Manchmal strafte allerdings die Praxis die Theorie Lügen. Es gab auch unter der Sekte ungelehrte Priester, und man ging nicht so weit, sich der Torheit zu fügen. War der Priester ungelehrt, so sollte der gelehrte Levit für ihn eintreten. Kam ein Fall von Aussatz vor, so sollte der Mebakker den Priester in den einschlägigen Vorschriften unterrichten. Aber die Bestimmung der Thora, die dem Priester die Entscheidung über Aussatz überträgt, wurde nicht angetastet. lieber den eigenartigen Brauch, der den Priester zum Beichtvater machte, werden wir noch im weiteren sprechen. Das Zentrum des Neuen Bundes war die Stadt Damaskus. Die große jüdische Gemeinde, die dort ansässig war, übte eine große Anziehungskraft auf die jüdischen Sekten aus. Auch der neue Bund, der zum Christentum wurde, fand sofort Anhänger in Damaskus, und die Apostelgeschichte erzählt, wie Saulus mit Briefen