Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Neue Bund in Damaskus
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
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106 die Sekten des Judentums haben sich von dieser furchtbaren Sitte ferngehalten. Auch bei dem Mönchsorden der Essäer bestand die gleiche Strafe, und der jüdische Geschichtsschreiber Josephus erzählt, daß ausgestoßene Essäer, durch ihre Eide gebunden, keine Speise von irgend einem Fremden annehmen durften, daß sie sich auf elende Weise von Kräutern und Wurzeln ernährten, undwennmansienichtaus Mitleid wieder in die Gemeinschaft aufnahm, tatsächlich verhungerten. Auch unsere Sekte kennt für die Ausgestoßenen eine Verzeihung. Sieben Jahre konnten sie abgesondert und beobachtet werden, bevor man ihnen wieder in „das Haus der Thora" Einlaß gewährte, und sie wieder zur Reinheit zuließ. Ob das Kollegium der zehn Richter auch diese Strafe verhängen durfte, ist nicht ersichtlich. Vielleicht ist die Volksversammlung die höchste Instanz gewesen. Hier waren alle männlichen Mitglieder der Sekte, soweit sie in heerespflichtigem Alter standen, also von 20 Jahren an, stimmberechtigt. Auch die Proselyten hatten in ihr Sitz und Stimme. Was in ihr beraten und beschlossen wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Neben dem Vorzug des Standes erkannte die Sekte auch den Adel der Geburt an. In den Listen wurden die Mitglieder des Neuen Bundes in vier verschiedenen Rubriken eingetragen, nicht nach Alter und Eintritt in den Orden, sondern nach ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Adel: zuerst die Priester, dann die Leviten, dann die echten Laien-Jsraeliten und zuletzt die Proselyten. In dieser Reihenfolge hatten sie auch ihre Plätze in der Volksversammlung inne und wurden um ihre Meinung befragt. Es ist bezeichnend, daß es der vierten Abteilung überhaupt bedurfte. Wir stehen in jener Zeit, da die jüdische Religion die Schranken der Nationalität durchbrach und sich machtvoll nach allen Seiten ausdehnte. Damals war eine Gemeinde ohne Proselyten kaum denkbar. Selbst eine Sekte wie der Neue Bund, die sich so streng wie möglich von den Heiden absonderte, mußte von vornherein damit rechnen, daß sich auch in ihren Reihen Abkömmlinge von Heiden fanden. Man verschloß