Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Neue Bund in Damaskus
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
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105 Amtes entsetzte, im Gegenteil, im Greise sah man die Weisheit verkörpert. Ein gewisser Gegensatz gegen die Ueberlieserung, eine Art Reform, die sich auf die Jugend stützt, macht sich in dieser Bestimmung des Neuen Bundes bemerkbar und wird uns auch weiterhin noch oft entgegentreten. Wie der Mebakker zu seinem Amte kam, wissen wir nicht. Wahrscheinlich wurde er von der Gemeinde auf bestimmte Zeit gewählt, ebenso wie seine Gehilfen, die Richter, die ihm auch in der Führung der Kassen zur Seite standen Die Stellung der Richter war weniger wichtig, sie durften im Alter zwischen 26 und 60 Jahren stehen. Das Richterkollegium bestand aus zehn Personen. Ob die Sekte auch die peinliche Gerichtsbarkeit hatte, muß fraglich bleiben. Der Abfall sollte zwar mit dem Tode bestraft werden, aber diese Vorschrift war vielleicht wie so viele in der Mischna rein theoretisch. Heidnische Gerichte anzurusen war ausdrücklich verboten. Der Beweis im gerichtlichen Verfahren geschah durch Zeugen. In Kriminalsachen dursten nur Zeugen auftreten, die über zwanzig Jahre alt und außerdem gottesfürchtig waren. Wer ein Gebot der Thora „mit erhobener Hand" verletzte — und zu diesen Frevlern gehörten alle Juden, die sich nicht der Sekte angeschlossen hatten — waren unfähig Zeugnis äbzulegen. Beweiskräftig war nur das Zeugnis von zwei Personen. Hatte jedoch ein einzelner gegen jemanden eine Aussage zu machen, so durfte er es nur dem Mebakker anvertrauen, der die Aussage zu Protokoll nahm und, sobald die Sache von anderer Seite bestätigt wurde, das Verfahren einleitete. Als Strafe wird außer der Hinrichtung, die nur für den Abfall verlangt wurde, noch der Ausschluß aus der Sekte erwähnt, „die Absonderung von der Reinheit". Für die Kulturgeschichte ist diese Tatsache von Bedeutung. Wir haben an dieser Stelle wiederum ein altes Zeugnis von dem Vorkommen des Bannes im Judentum. Die lange düstere Geschichte des Bannes, die Namen wie Uriel Acosta aufweist und bis in die Gegenwart hineinreicht, hebt schon zur Zeit der Bibel an, und weder die Pharisäer noch