Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Neue Bund in Damaskus
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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104 seinem Tode auf das neue Haupt der Gemeinde, den „Mebakker", den Untersucher, den Forscher, über. Er war als Vorsteher des „Lagers" mit weitgehenden Machtbefugnissen ausgestattet. Nichts von Bedeutung durfte ohne ihn geschehen. Vor allem war er wie der Gründer der Sekte der Lehrer und der Gelehrte. „Er soll der Menge die Werke Gottes erzählen und ihnen seine wunderbaren Großtaten verständlich machen, er soll ihnen die Geschichte der Ewigkeit verkünden." Er hat die Aufgabe, auch die anderen Lehrer der Gemeinde, die Priester, über ihre "Pflichten auszuklären. Er muß in der Diskussion mit den Gegnern erfahren sein und alle Geheimnisse der Menschen kennen. Mit zwei Namen wird er bezeichnet: Hirt und Vater. Wie ein Hirt seine Herde weidet, so soll er für die Gemeinde sorgen, die seine Gemeinde genannt wird, wie ein Vater soll er sich ihrer erbarmen. Es besteht augenscheinlich ein enger Zusammenhang zwischen dem höchsten Beamten und den Mitgliedern der Gemeinde. Der Vorsteher ist der Seelsorger. Wer irgend einen Streit, irgend eine Sorge hat, soll sich an ihn wenden. Wir hören weiter, daß er die Listen der Gemeinde führt und die Neueintretenden aufnimmt, daß er mit anderen zusammen die Kasse führt und als höchster Richter Zeugnis entgegennimmt. Es scheint so, daß jede einzelne Gemeinde der Sekte ihren eigenen Vorsteher hatte und daß es einen ersten Vorsteher für alle Gemeinden gab. Wie wichtig seine Stellung war, entnimmt man aus der Bestimmung, daß er im Alter zwischen dreißig und fünfzig Jahren stehen mußte. Die Sekte nimmt nämlich einen eigenartigen Standpunkt inbezug auf das Alter ihrer Beamten ein. Der Vorsteher muß in der Manneskraft, im besten Alter stehen. Im Greisenalter lassen die Kräfte des Verstandes nach, und der Aeltere muß im Interesse der Gemeinde dem Jüngeren weichen. So verständlich der modernen Zeit eine solche Auffassung auch erscheinen mag — dem Geiste des pharisäischen Judentums war sie zuwider wie kaum eine andere. Die Ehrerbietung, die man dort dem Alter erwies, hätte nie zugelassen, daß man den Greis des