Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Neue Bund in Damaskus
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 späteren Zeit die Zahl der Jahre gekannt, die seit der Zerstörung Jerusalems dahingegangen waren. Die Zahl 399 aber nahm der Verfasser deshalb an, weil der Prophet Ezechiel verheißen, daß die Schuld Israels 390 Jahre währen werde. Die beiden Handschriften selbst, die uns vorliegen, scheinen etwa aus dem elften nachchristlichen Jahrhundert zu stammen. Sie geben uns nicht einen gleichlautenden Text, vielmehr ist die eine, von der leider nur ein Blatt erhalten ist, im einzelnen weit ausführlicher als die andere, und wahrscheinlich ist der Text, auf den wir uns stützen, nur ein flüchtiger Auszug aus der alten größeren Schrift der Sekte. Auch dies führt uns nicht weiter, und so kommen ausschließlich innere Gründe für die zeitliche Ansetzung der Schrift in betracht. Der Stil weist nicht auf eine bestimmte Zeitepoche. Verse der Bibel in die Rede zu verflechten, wie es in unserer Schrift geschieht, war sowohl in dem Zeitalter des Hellenismus, wie auch im späteren Mittelalter gebräuchlich. Auch wer „das Haupt der Könige Griechenlands" ist, der die Rache an dem Volk vollzieht, ist nicht zu sagen. Es kann ebensowohl ein syrischer oder ägyptischer König wie ein römischer Imperator gewesen sein, den die dunkle Sprache des Verfassers so bezeichnet. Trotz aller dieser Schwierigkeiten und bei aller Vorsicht, die in einer sülchen Frage geboten ist, glauben wir, wenn auch nicht auf das Jahr genau, so doch ungefähr die Zeit angeben zu können, in der der unbekannte Verfasser und die unbekannte Sekte lebten: Der Tempel bestand noch, die Opfer wurden noch dargebracht. Damit haben wir einen festen Anhaltspunkt. An eine Mystifikation haben wir nicht zu denken/) und da nichts Samaritanisches in der Schrift vorkommt, so brauchen wir auch nicht zu befürchten, daß mit den Opfern samaritanische Riten gemeint seien. Die überwiegende Anzahl der Fachgelehrten hat daher daran i) Einige Forscher halten die Schrift für eine späte karäische Fälschung auf Grund einiger Wendungen,, in denen sie den Einfluß, der arabischen Sprache zu erkennen glauben. Die diesbezüglichen Beweise reichen aber nicht aus, zumal wenn man annimmt, daß der Text im Mittelalter nicht unverändert geblieben ist.