Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 30)
- Language
- German
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94 dieser in eine Zufluchtsstadt flüchten muß, jener derselben Strafe unterliegt?) Was die Ehre selber betrifft, so haben die Sprüche der Väter das entscheidende Wort gesprachen: ״die Ehre der Schüler sei dir so wert wie deine eigene?) Haben nun alle, die Laien, der Hohepriester, der Königs die Pflicht, dem Gelehrten Ehre zu erweisen, soll er sich ihr bei gegebener Gelegenheit nicht entziehen, so darf er doch die Gelegenheit nicht suchen. ״Es ist seiner nicht würdig, das Volk zu belästigen und zu Ehrerweisungen zu veranlassen. Bei seinen Aus- und Eingängen wähle er einen kurzen Weg, oder einen solchen, wo er unbemerkt bleibt. "Z Eine Belästigung wäre es auch, wenn die gebotene Ehrerweisung Zeitversäumnisse oder Unkosten verursachte. Daher das Gebot, daß die Arbeiter die Arbeit nicht unterbrechen dürfen, um einem Gelehrten die Ehre zu erweisen?) Zusammenfassend sei bemerkt, daß die Ehre des Gelehrten Standesehre ist, die von hohem Selbstbewußtsein getragen wird. Dieses hat seine Quelle in der Genugtuung, ein herrliches Gut zu besitzen und den Besitz durch eigene Tätigkeit erworben zu haben. Eigenes Verdienst und Begabung reichen sich die Hände, um das Bewußtsein zu heben. Die Ehre, weil nicht ererbt und von außen nicht gegeben, sondern durch eigenes Bestreben erworben, hat zur Voraussetzung sowohl die Schulung des Verstandes wie die lauterste Sittlichkeit, beide notwendige Attribute des Gelehrten. Der Gedanke, daß die Wissenschaft adelt, galt hier unbeschränkt. Wie man sich den Gelehrten ohne Wissen nicht denken konnte, so galt auch 1) Makkot 10a. ף Abot 4. 3) Von Josaphat, dem Könige von Juda, wird erzählt, dasz er, wenn er einen Talm. Chach. sah, von seinem Throne aufftand, ihn umarmte und küßte. Jebamot 1031,. 4) Maim. Hilch. Talmud. Thora 6, 3. Jore dea 244, 6. In Kidd. 33a macht Abaje die kurze Bemerkung: Wer einen Umweg mackit, um der Ehrung auszuweichen, lebt lange. 5) Kidduschin 33a.