Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 29)
- Language
- German
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93 in das soziale und wirtschaftliche Leben der Schüler ein, und legte ihnen nicht selten beengende Fesseln an. So durfte der Schüler, selbst wenn er reis an Jahren und Wissen, selber ein Talmid Chacham geworden ist, niemals ohne Erlaubnis des Lehrers lehren/) lehrt er gar in Gegenwart des Lehrers, hat er eine todeswürdige Sünde begangen?) Wenn beide verschiedener Meinung sind, wird die Entscheidung nach der Meinung des Lehrers getroffen, außerdem bestand immer die Voraussetzung, daß der Schüler die Meinung des Lehrers vorträgt. Es ist darum nicht nötig, beim Vortrage auf den Lehrer zu verweisen; ״Josua saß und lehrte und jeder wußte, daß es die Lehre Moses' war."* 2 3 4 5 6 7 8) Irgend eine Ehre durfte er in Gegenwart des Lehrers nicht beanspruchen/) hier machte der Satz sich geltend: ״wo es Männer gibt, wolle du der Mann nicht fein."5) Selbstverständlich verbietet die dem Lehrer gebührende Ehre, ihn mit Worten zu reizen, über ihn Böses zu reden, oder ihn zu verdächtigen?) Den Lehrer schmähen, verachten, beleidigen, heißt das ewige Leben verwirken?) Auch der Lehrer hat Pflichten dem Schüler gegenüber. Vor allem die, daß er dem Würdigen die Lehre nicht vorenthalte/) tut er es doch, so ״schließt er ihn unrechtmäßig vom Erbe der Väter aus." Lehrt er hingegen einen Unwürdigen, ist es als hätte er dem Götzen gedient?) Denn der Lehrer ist für den Schüler verantwörtlich, diese Verantwortung geht so weit, daß, wenn ף Joredea 242, 4. Erubim 63a. 2) Daselbst. 3) Joma 96a. 4) Joma Capit. 7. Mischn. 1. Tossafot Jomtob daselbst. 5) Dieser Ausspruch sagt dasselbe wie jener in Abot 2. 6) Den Lehrer verdächtigen, ihm Böses Nachreden gilt soviel, als täte man es der Schechina gegenüber. Sanhedrin 110a. 7) Daselbst 99b. Maim. Hilch. Teschuba 3, 14. 8) Hier gelten die Sätze: ״Bringet den Durstigen Wasser entgegen" Jes. 21, 14. ״Latz Deine Quellen nach außen überfließen". Dem Unwürdigen gegenüber heißt es: ״Dir soll sie gehören, nicht dem Fremden neben dir." (Spr. 6, 16, 17.) Taanit 7a. 9) Siehe die zwei verschiedenen Meinungen Chulin 133a.