Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 28)
- Language
- German
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92 Worin die Ehrerbietung bestehen soll, darüber belehren uns im Znsammenhange Maim. und Joradea?) Es soll im allgemeinen zwischen Lehrer und Schüler dasselbe innige und vertrauliche Verhältnis bestehen, wie zwischen Vater und Sohn?) Als höchste Ehrerbietung ist Wohl die anzusehen, die wieder die Mischna Abot aufstellt: Die Ehrfurcht vor.deinem Lehrer gleiche der Ehrfurcht vor Gott?) Im Einzelnen sei bemerkt: Der Lehrer konnte von dem Schüler den Dienst eines Dieners beanspruchen. Der Schüler mußte selbstverständlich beim Herannahen des Lehrers sich ehrerbietig erhebend) beim Vortrag durfte er nicht Fragen stellen, die den Lehrer in Verlegenheit bringen könnten?) Die Aufmerksamkeit bei dem Vortrage muß sich dadurch bekunden, daß der Schüler stets die Augen aus den Lehrer gerichtet halte?) Die Freude, den Worten des Lehrers zu lauschen, muß sich im Gesichtsausdruck kundtun?) Die Ehrerbietung bestand aber nicht blos im feinen Takt, in Dingen, die die Höflichkeit gebietet, sie griff auch ') Maim., Hilch., Talm. Thora 4, 5. Joradea 242. 2) Sifri zu Deut, 6, 7 und a. a. O. 8) Abot 4. 4) Kid duschin 32b, 33a. Der Talm. CH ach., der sich vor dem Lehrer nicht von dem Sitz erhebt, wird ein Bösewicht genannt, er vergißt das Gelernte und lebt nicht lange. . Daselbst werden Unterschiede inbetreff der Ehrerbietung gemacht, die man dem Chacham, dem ersten und zweiten Vorsitzenden des Synhedriums schuldig ist. Der Talmid Chacham braucht nur zweimal, des morgens und abends vor dem Lehrer aufzustehen, da man sich auch zu Gott nur zweimal des Tages im Gebete wendet. 5) Wörtlich: nur wenn der Schüler weiß, daß ihm der Lehrer wird Bescheid geben können, darf er fragen. ״Merke wohl, wen du vor dir hast." Chulin 6a. 6) Bezugnehmend auf Jes. 30, 20. ״Deine Augen werden deine Lehrer sehen." 7) Siehe Ebels Chidusche Agada Sabbat 30b. Es ist ferner vorgeschrieben, in welcher Weise er sich von dem Lehrer empfehlen, daß er an jedem Feste den Lehrer begrüßen mutz. Den Lehrer freundlich empfangen, ist als würde man die Schechina empfangen. Jerusch. Erubin 5.