Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 27)
- Language
- German
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91 Kampf und Haß wissen die Quellen zu erzählen?) Gegen jene Uebelstände, die um so bedauernswerter waren, als sie bei denen stattfanden, die als des Volkes Besten angesehen wurden, erhebt Ist ben Jehuda bitteren Vorwurf. Der gegenseitigen Mißachtung schreibt er es zu, daß viele Weisen vorzeitig das Zeitliche segnen. ״Die Weisen sterben vor der Zeit, nicht weil sie unsittlich sind, nicht weil sie rauben, sondern weil sie einander geringschätzen."^) Dasselbe gilt von den reiferen Schülern, die noch zu Füßen des Lehrers sitzen?) Die Pflicht, den Gelehrten zu ehren, liegt in erster Reihe seinen Schülern ob. Das gilt zumal von _ den reiferen Schülern, denen der Lehrer Geist von seinem Geiste mitteilt, ihnen den Weg des Lebens zeigt und die Pforten der Forschung eröffnet. Freilich ist es so leicht nicht zu bestimmen, wer als Schüler im eigentlichen Sinne angesehen werden darf. Am weitesten dürfte wohl die Mischna AbotZ in ihrer Auffassung gegangen sein, wenn sie ausspricht: wer von einem anderen einen Abschnitt... ja nur ein Wort, einen Buchstaben gelernt hat, ist ihm schon Ehrerbietung schuldig, er hat sich als seinen Schüler zu betrachten. In diesem Sinne dürste es unzählige Lehrer und Schüler geben. Jeder Kollege wird bald Schüler, bald Lehrer des anderen, weil zwischen ihnen ein stetes Empfangen und Bieten stattfindet. Von diesem Schüler bis zu jenem,- der den Lehrer im Studium gefördert |at* * 3 4 5) und den dieser als Kollegen ansieht, ist ein weiter Weg. Wie dem auch sei, jedenfalls ist die ausgestellte Forderung als eine höchst sittliche anzusehen. ’) In Pessachim 113b, werden unter denen, die sich hassen, die Talmide Chachamim aufgezählt, wohl zu einer anderen Zeit wie oben angegeben. 2) Abot D. R. Nathan c. 9. 29. 3) Zwölftausend Schüler (Schülerpaare) hatte N. Akiba, die alle zwischen dem Pessach- und Schabuothfeste starben, weil sie einander keine Ehre erwiesen. Jebamot 62b. 4) Abot 6, 1. 5) Der Talmid Chaber ist jener, der bedeutend geworden im Studium der Thora, sodaß der Lehrer ihn als Kollegen betrachtet. Moses Jserles § 242, 4.