Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Ihre Ehre fordert ferner, daß die Belehrung in nachsichtig schonender Weise erfolge/) daß der Eine nicht in pedantisch sich überhebender Weise den Ton der lieberlegenheit anschlage, den Anderen dessen Unkenntnis fühlen lasse, ihn beschäme, zum Zorn gegen die Unbill reize, tut er es, so hat er unwillkürlich seinen Tod veranlaßt?) Von den Gelehrten in Babel wird erzählt, daß sie ehrerbietig vor einander aufstanden und bei einem Todesfalle die Kleider um den Heimgegangenen zerrissen?) Dieses rücksichtsvolle Empfinden und Handeln entsprach dem Gesetze der Mischna: Die Ehre der Genossen gleiche der Ehre vor dem Lehrer und diese der Ehrfurcht vor Gott?) Auch der Lohn für die gegenseitige Achtung wird angegeben. Sie verbürgt langes Leben himeder?) und das Leben in der zukünftigen Welt?) Leider ist diese gebotene, selbstverständliche Achtung der Gelehrten untereinander nicht immer eingehalten worden. Eifersüchtelei, Herrschsucht der Vorgesetzten, der ungeheuere Zwiespalt der Meinungen, der Eifer, mit dem Jeder seine Meinung vertrat, haben es verursacht, daß oft an Stelle der Achtung Mißachtung trat. Auch von *) Zwei. Gelehrte, die sich in schonender Weise fördern, auf die hält Gott sein Augenmerk gerichtet. Sabb. 63a. U. a. O. 3) Wörtlich: Von zwei Gelehrten, die sich nicht in schonender Weise belehren, stirbt der eine, der andere muß in die Zufluchtsstadr flüchten, ein unstetes Leben führen. Sota 49a. Sie erregen den Zorn Gottes und lenken ihn auf sich. Taanit 8a. 3) B. Mezia 33a. 4) Abot 4, 12. Nach Midrasch Samuel, ist auch Abot 2,12, wo der Ausspruch ähnlich lautet, auf den Genossen zu beziehen. Es ist aber dort wahrscheinlich allgemeine Menschenachtung gemeint. 5) Nechunja ben Hakana wird von seinen Schülern gefragt: Wodurch hast Du ein solch' hohes Alter erreicht? Ich habe, lautet die Antwort, nie meine Ehre auf Kosten des Kollegen gesucht. Megilla 28a. b) Die Schüler des erkrankten Lehrers, R. Elieser, sprachen zu ihm: Lehre uns die Wege des Lebens, daß wir des Lebens der Zukunft teilhaftig werden. Jener empfiehlt an erster Stelle, auf die Ehre des Genossen zu achten. Berachot 28b.