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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 84

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1914-01-01
Page
Seite 84 (sequence 20)
Language
German
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84 — Die Thora selber leidet, weil der hungernde Gelehrte sie nicht pflegen kann?) ״Eine Gelehrsamkeit, die von einem Nahrungszweig nicht gehalten wird, hat keinen Bestand und führt zur Sünde."^) Tatsächlich gehörten die Talmudlehrer verschiedenen Erwerbszweigen an. Sie waren Tagelöhner, Handwerker, Kaufleute, Landwirte usw. ״Die Arbeit," hieß es, nährt ״den Mann."^) Keine Arbeit ist zu geringe, als daß sie nicht auch vom Gelehrten getan werden könnte. Ueber die Geschäftspraxis des Gelehrten schreibt Maimuni?) Alles beruhe auf Treue und Glauben. Sein Nein sei nein, sein Ja — ja. Er rechne strenge mit sich selbst, nachsichtig mit Anderen. Das Gekaufte zahle er sofort, seinen Schuldnern gegenüber übe er Milde, wie er Konkurrenz meiden muß, niemand bedrängen darf. Er sei der Verfolgte und gehöre nicht zu den Verfolgern, der Gekränkte und nicht der Andere kränkt, von ihm heißt es: ״Du bist mein Knecht, Israel, dessen ich mich rühme." Selbstverständlich wird vom Talmid Chacham hohe Sittlichkeit vorausgesetzt. Er darf nur scheinen, was er in Wirklichkeit ist, sowohl inbetreff seiner Gelehrsamkeit, wie seiner Frömmigkeit. Kurz lautet der Satz: ״dessen Inneres seinem Aeußeren nicht entspricht, ist kein Talmid Chacham,"^) er meide das Lehrhaus und wird, ob seiner Heuchelei, ein ״Abscheu" genannt?) Zu all diesen vom Talmid Chacham zu erfüllenden Forderungen und zu übenden Tugenden muß, als eine der höchsten, die Gottesfurcht hinzutreten. Es muß sich Weisheit mit Gottesfurcht paaren. Wer nur jene, aber nicht diese besitzt, hat, nach dem Ausspruch des Talmud, >) Abot 3. r> Abot 2, 3) Nedarim 49a. 4) Mairn., Hilchot deot 5, 13. 5) Joma 72b. b) Daselbst und Berachot 28a.

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