Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 80

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1914-01-01
Page
Seite 80 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111100-3116298--4668-3116412
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

80 hiervon mag hier Platz finden. In Bezug auf Selbstachtung und Standesehre sei folgendes verzeichnet: Sich und seinem Stande ist es der Gelehrte schuldig, sich nicht zu parfümieren, nicht allein des Nachts auszugehen, nicht geflickte Schuhe zu tragen, um keinen Verdacht zu erregen, mit keiner Frau auf der Straße zu sprechen, Mahlzeiten in Gesellschaft Ungebildeter nicht einzunehmen, nicht spät und nicht als Letzter in das Lehrhaus zu kommen, nicht schnellen Schrittes zu gehen und nicht stolzen, hochgetragenen Hauptes?) Aeußerst strenge lautet das Gesetz inbetreff der äußeren Erscheinung. Wenn ein Fett- oder Blutfleck auf dem Kleide des Gelehrten gefunden wird, hat er sich eines todeswürdigen Fehls schuldig gemacht?) Die Standesehre soll den Gelehrten davon abhalten, kollegial mit dem niederen, unwissenden Volke (עם הארץ) zu verkehren. Der Unwissende, der die Gedankenarbeit nicht zu würdigen weiß, außerdem ein natürlicher Feind des Gelehrten ist, wird sich im Verkehr mit diesem anfangs geschmeichelt fühlen, ihn aber bald als seinesgleichen ansehen, zuletzt als etwas Unnützes, Ueberflüssiges betrachten. Anfangs, meint der Talmud?) erscheint der Gelehrte dem Unwissenden wie ein kostbarer, goldner Kelch, im Verkehr wird er diesem zum Silber, er sinkt zum irdenen Gefäße herab, wenn er die Schwäche hat von dem Unwissenden etwas anzunehmen. Darum soll der Gelehrte dem Unwissenden gegenüber mit Nachdruck seine Würde behaupten, sowohl in religiösen, zeremoniellen, wie in profanen Angelegenheiten. Mag das Behaupten des eigenen Wertes, das Bestehen auf einem gewissen Vorrang zuweilen kleinlich erscheinen, sein Stand und die Ehre der in ihm vertretenen Thora fordern es. Daher hat der Talmid Chacham, der dem unwissenden Hohenpriester beim Mahle *) Berachot 43a. Der Satz wird mit den Worten eingeleitet, daß es sechs Dinge seien. Von den hier genannten acht Dingen werden die letzten zwei im Namen ״Einzelner" überliefert. 2) Sabbat 114. 3) Sanhedrin 52b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.