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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 77

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1914-01-01
Page
Seite 77 (sequence 13)
Language
German
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77 Vor allem sind es nicht die Unreifen, die wenig gelernt haben und sich vieles Zutrauen. Jene, sagt Maimuni, die vor Laien und den Mitbürgern groß tun, zudringlich sind, und den Vorsitz bei Gerichte und bei den Entscheidungen in Glaubenssachen einnehmen und als Gelehrte gelten wollen, ״verursachen Streitigleiten, untergraben die Weltordnung, verlöschen das Licht der Thora und unterwühlen den Garten des Ewigen hierher nicht gehörig, weglassen, sind bekannte Ausdrücke für die Gelehrten: Chachamim, die Weisen. Die späteren Gelehrten lehnten den Namen aus Bescheidenheit ab und nannten sich ״Schüler der Weisen " Ferner sind es junge Gelehrte, eigentlich reife Schüler צורבא מרבנן. (S. Raschi Taamit 43.). Ihrer Jugend wegen muß man es ihnen zu gute halten, wenn es in ihnen aufschäumt' es ist die Wirkung der.״Glut der Thora," (das.). Auch pflegt ihr? Unerfahrenheit noch manches zu verderben. (Beza 16b.) Aelter^ Gelehrte werden, wenn sie ungenannt bleiben, mit ״einer der Ge^ lehrten" bezeichnet. Hierzu kommt die Bezeichnung des mit be^ sonderer Autorität aus gestatteten ״Saken." Der Ausdruck lautet: der Saken hat längst entschieden. Dieser Ausdruck mag übrigens auch auf das Alter der Gelehrten Hinweisen. Bekannt ist der Satz: ״Saken wird genannt, wer Weisheit erworben hat" (Kidduschin 32b.) Dann nannte man die Mitglieder des Synhedriums ״die Alten." (Sota 463.) Der an Weisheit hervorragendste ward zum Präsidenten des Synhedriums erwählt und erhielt den Namen ״Natzi" (Maimon. Hilch., Synhedrin 1, 2.) Wie angegeben, ist die Bezeichnung Talmid Chacham jünger als die Chacham. Die Erklärungen, die sich hier und da finden, lauten für den Einen, fast ebenso wie für den Anderen. Der Letztere mutz ebenso Bescheid in der Halacha wissen, wie der Erstere. Ein ״Schüler der Weisen,". wenn er nicht nur in seiner Stadt, sondern allgemein als solcher anerkannt sein sollte, mutz, wenn befragt, in allen Tractaten Auskunft geben können. (Sabbath 114b.) Die Erklärung, daß ein Chacham der sei, der für alles einen rationellen Grund angeben könne, gilt nur für einen bestimmten Fall. (Kidduschin 49b.) Dort genügt auch der Beweis, daß der Betreffende ein vernünftiger Mensch sei. Es sei noch bemerkt, daß, da man über das Gesetz der Thora: ״Du sollst das Ansehen des Alten achten" nicht hinweggehen konnte, zuweilen eine Verlegenheit entstand, wem man bei Ehrungen den Vorzug einräumen sollte, dem an Jahren Alten, oder dem Gelehrten. Dre Entscheidung wird dahin getroffen: in religiösen Dingen, rituellen Fragen, überhaupt in gelehrten Sachen, erhält der Weise den Vorzug, bei Mahlzeiten, sonstigen Veranstaltungen der Greis. Näheres darüber s. Baba Batra 1203, Raschi zur Stelle und Jore Dea244, 18.

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