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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 72

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1914-01-01
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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72 sind. Jeder in den Stamm Hineingeborene war Priester, aber nicht jeder des Priestertums würdig. Ein Umschwung trat ein. Um das durch sie vertretene heilige Amt, das von der Person sich nicht trennen ließ, nicht der Nichtachtung von seiten des Volkes verfallen zu lassen, mußten sie auf Mittel-bedacht sein, ihre Würdigkeit darzutun, zeigen, daß sie nicht nur die Erben eines durch Geburt übertragenen Amtes sind, sondern auch ohne dasselbe Ehre verdienen, und daß nicht nur das Amt, daß auch eigenes Streben und Verdienst Achtung fordern. Sie strebten, sich hervorzutun auf jenem Gebiete, das allen offen stand, auf dem des Wissens, der Gelehrsamkeit, sie wurden wieder, was sie ursprünglich waren, die Lehrer des Volkes. Mit der Gelehrsamkeit jener Zeit verbindet sich auch der rechtschaffene fromme Lebenswandel, diese beiden üben notwendig ihre Rückwirkung auf das Amt aus, das Wirken hört auf ein gewohnheitsmäßiges Tun zu sein, es wird gehoben, vergeistigt. - Der Priesterstand stellte demgemäß strengere Anforderungen an jedes seiner Mitglieder. Die Priester begnügten sich im Laufe der Zeit nicht mit der bloßen Handhabung des Dienstes, sondern suchten durch Peinliche Befolgung der Gesetze, Verinnerlichung dieser durch Pflege der Wissenschaft, die Ehre des Standes zu heben. Bei dem geringsten Verstoß gegen das Gesetz wurde der Priester des Amtes und Standes unwürdig erklärt?) Selbst dem Hohenpriester Josua trifft schwerer Tadel, weil er es gestattete, daß seine Söhne dem Stande unwürdige Frauen heimführten. Diese Schande trägt er durch sein ganzes Leben und wird mit den Worten bezeichnet: ״Er geht in schmutzigen Kleidern." Bekannt ist das Wort: ״Die Priester sind eifrig, "2) was dahin gedeutet wird, daß sie nicht nur beflissen sind, ihren Dienst zu tun, sondern daß sie sich auch für ihn theoretisch vorbereiten, überhaupt gesetzeskundig sind. Der unwissende *) Jebarnot 94a. 2) Sabbat 20a s. Rasch: das.

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