Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 35)
- Language
- German
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54 — umfassende geschichtliche Darstellung großen Stils in dem Buche „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung" von I. Elbogen gefunden. Der Verfasser, der sich seit vielen Jahren mit den zu diesem Gebiete gehörenden Forschungen befaßt, hat keine leichte Ausgabe zu lösen gehabt. Nicht der Mangel an Vorarbeiten bot hier große Schwierigkeit, sondern im Gegenteil deren übergroße Fülle, und nur durch volle Beherrschung des gesamten Materials und durch dessen kritische Behandlung konnte diese Schwierigkeit überwunden werden. Es ist dem Verfasser gelungen, in einer gelehrten Arbeit, den ganzen umfangreichen Bau unserer Liturgie in ihrer reichen Mannigfaltigkeit einheitlich darzustellen, wobei er für die geschichtliche Entwicklung der Synagoge und des synagogalen Gottesdienstes ein tiefes Verständnis bekundet. Seine Auffassung umfaßt die Liturgie in ihrem inneren Wesen und ihren äußeren Formen von ihren Uranfängen bis auf die Gegenwart. Was bisher vernachlässigt wurde, die Behandlung der aus dem Volk hervorgegangenen Bräuche und die musikalische Ausgestaltung des öffentlichen Gottesdienstes, findet in diesem Buche seine gerechte geschichtliche Würdigung. Wohltuend ist auch die objektive Auffassung, mit der der Verfasser alle Erscheinungen sine ira et studio behandelt. Die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" verdient fürdie Herausgabe dieses klassischen Werkes unseren vollen Dank. Die Religionsphilosophie ist im Judentum seit der jüdisch-alexandrinischen Epoche mit großem Eifer gepflegt worden. Es bleibt dies ein Ruhmestitel des Judentums, daß es niemals die Vernunft ausschalten wollte und seit den ältesten Zeiten einen Kampf gegen den Aberglauben und den sinnenbetäubenden Mystizismus führte. Da dem Judentum mytheologische Vorstellungen fremd blieben, so hat die philosophische Spekulation bei den Juden später Eingang gefunden als bei den Griechen.