Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 16)
- Language
- German
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35 Religionsgeschichte wichtig. Es ist dies ein Zweig der Wissenschaft, der früher vernachlässigt wurde, und selbst als man in derletztenZeit dieBedeutung der Religionsgeschichte für das Verständnis der Entwicklung der menschlichen Kultur zu würdigen begann, ging man am Judentum aus Unkenntnis und Vorurteil scheu vorüber. Ich meine natürlich das ganze Judentum, das sich auf dem Boden der Bibel immer weiter entwickelt und nicht, wie die christlichen Theologen mit wenigen Ausnahmen noch jetzt behaupten, mit dem Erscheinen des Christentums seinen Abschluß gefunden hat. Das rabbinische Judentum, oder wie es bei den protestantischen Theologen heißt, das „Spätjudentum", hat sogar bis in die neuere Zeit hinein die Entwicklung des Christentums stark beeinflußt. Allmählich bricht sich doch die Erkenntnis Bahn, daß das Judentum in der religionsgeschichtlichen Forschung einen bedeutenden — ich meine, den bedeutendsten — Platz einnimmt. Auch von christlicher Seite beginnt man bereits mit der objektiven und gerechten Würdigung des Judentums. Uebersehen wir nun, was das letzte Jahr an wissenschaftlichen Erscheinungen auf diesem Gebiete gebracht hat. „Die Religion des Alten Testaments in ihrer Einzigartigkeit unter den Religionen des Alten Orients" betitelt sich eine apologetische Arbeit von N. Peters. Vom katholischen Standpunkt aus unternimmt es der Verfasser, ohne sich gegen die moderne Bibelkritik ganz ablehnend zu verhalten, der sensationellen, in Wahrheit unwissenschaftlichen Verwertung der Orientkunde zur Entwertung der Bibel entgegenzutreten. Er gibt zu, daß die Apologie, da sie ihrer Zeit dienen muß, nicht immer auf die endgiltigen Ergebnisse der Forschung warten kann. Aber diese Entschuldigung erscheint fast überflüssig, wenn man sich in Erinnerung bringt, wie voreilig vor einem Jahrzehnt die Assyriologie zur Diskreditierung der Bibel in Volksversammlungen benutzt wurde. Von einem ganz anderen Gesichtspunkte aus hat A. Bertholet in einer auch im Druck erschienenen akademischen Antrittsrede: „Die Eigenart der alttestamentlichen 3*