Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5673
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111100-3116296--4591-3116337- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gehoben werden. Auf diesem Gebiete liegt noch alles sehr im Argen. Wir sehen ab von einigen palästinensischen Orten, denen die kolonisatorische Tätigkeit der europäischen und amerikanischen Glaubensgenossen in hervorragendem Maße zu gute gekommen ist, sowie von Damaskus, wo sich wenigstens eine starke jüdische Arbeiterschaft gebildet hat. Sonst aber sind die Juden des türkischen Vorderasiens durchgehends und mit geringen Ausnahmen arm, Trödler, Hausierer, kleine Handwerker, Kommissionäre jeder, oft der traurigsten Art; und die voir ihnen bewohnten Stadtviertel sind 'die elendesten, schmutzigsten und armseligsten in den ohnehin meist nicht blühenden und reinlichen orientalischen Orten. Und das alles, obwohl die Schulen der „Alliance Jsraslite Universelle" seit beinahe einem halben Jahrhundert dort tätig sind. Gewiß ist sowohl der edle Eifer der an der Spitze der „Alliance" stehenden Männer wie das Verdienst anzuerkennen, das diese sich durch Bekämpfung aller Ausschreitungen gegen die Juden in den orientalischen Ländern in reichem Maße erworben hat. Aber ihr Schulsystem ist verfehlt und hat deshalb trotz der reichen darauf verwendeten Mittel zum größten Teil seinen Zweck nicht erreicht. Es ist Gewissenssache, daraus mit vollem Nach? druck und ohne jede persönliche Spitze hinzuweisen. Verfehlt aus doppelter Ursache. Einmal hat die „Alliance" ihren sämtlichen Schulen im Orient das abendländische Unterrichtssystem zu Grunde gelegt, das eben für den Osten nicht Paßt — schon dadurch sind sie zum großen Teile mit Unfruchtbarkeit geschlagen. Zweitens aber entlassen sie ihre Schüler und Schülerinnen bereits mit dreizehn Jahren, und diese Kinder fallen dann sofort den verderblichen Einflüssen der Ueberlieferung und der Umgebung in ihren armseligen Familien unrettbar wieder anheim, so daß bald alle ihnen in den Schulen mühsam eingepflanzten Keime zum Bessern erstickt werden; sie werden wieder ebenso schmutzig und elend wie ihre Vorfahren, Trödler, Hausierer, kleine Handwerker, Kommissionäre — mit Ausnahme der wenigen, die voll Verachtung für die