Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5673
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Heimat nach Europa auswandern. Was not tut, ist einmal die Einrichtung der Elementarschulen nach den Erfordernissen des Ostens; dann die Ausbildung der begabteren Zöglinge auf gehobenen Mittelschulen — Realschulen und Gymnasien, Kunst- und Gewerbeschulen — sowie auf Hochschulen, Universitäten und polytechnischen Anstalten. Erst dadurch wird wirklich ein gebildeter Stand unter den levantinischen Israeliten erzeugt und von diesem eine anregende, befruchtende und zum Besseren leitende Tätigkeit auf die Gesamtheit ihrer dortigen Glaubensgenossen ausgeübt werden. Die christlichen Bekenntnisse haben dies längst erkannt und entsprechende — teils protestantische teils katholische — Anstalten in Beirut, Konstantinopel und an anderen Orten ins Leben gerufen. Auch die Türken haben es in jüngster Zeit eingesehen und in Beirut ein islamitisches Kolleg mit Universitätskursen begründet. Alle diese Institutionen tragen einen ausgesprochen konfessionellen, ja propagandistischen, also anti-jüdischen Charakter. Der Verfasser dieses Rückblicks hat schon vor acht Jahren diese Dinge wiederholt in öffentlichen Borträgen betont und einen entsprechenden, eingehenden Plan der Leitung der „Alliance" unterbreitet; leider vergeblich. Mit um so innigerer Freude können wir feststellen, daß anderweitige Organisationen, deren Führer den Orient selber durch persönliche Anschauung kennen gelernt haben, auf dem besten Wege sind, dieses Programm des Heiles für unsere türkischen Brüder ins Werk zu setzen. Der Hilfsverein der deutschen Juden sowie die Zionisten haben in Syrien Kunstschulen, Gymnasien, ein jüdisches Lehrerseminar und ein Technikum mit Realschule begründet; und auf dem diesjährigen zionistischen Kongreß in Wien ertönte die frohe Botschaft von der beabsichtigten Errichtung einer jüdischen Universität in Jerusalem. Man kann zweifeln, ob Jerusalem, im äußersten südwestlichen Winkel des osmanischen Reiches gelegen, der geeignetste Ort für eine solche Hochschule sei; ob es nicht besser wäre, sie mehr dem Mittelpunkte des türkisch-jüdischen Lebens zu nähern, also sie in Beirut, Smyrna oder auch Konstantinopel zu erbauen.