Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5673
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Rechtsanwalt als Reserveoffizier das Hauptmannspatent. Tausende von Juden kämpften auch in den Reihen der Bulgaren; ein jüdischer Leutnant bewährte in der Schlacht bei Mustafa Pascha einen solchen Heldenmut, daß er sogleich zum Major befördert wurde, ein anderer zum Hauptmann. So wenig günstig im ganzen die griechischen Zeitungen den Juden zu sein pflegen, sie können doch nicht umhin, die lebhafte Vaterlandsliebe und den Heldenmut anzuerkennen, durch die sich die 500 griechischen Soldaten jüdischen Bekenntnisses ausgezeichnet haben. Verhältnismäßig sehr viele von ihnen sind auf dem Felde der Ehre gefallen, und wir dürfen freudig anerkennen, daß die christliche Bevölkerung deren Hinterbliebenen eine ganz besondere Fürsorge gewidmet hat. Hoffentlich überdauern diese Stimmungen den Krieg und die Israeliten der neuen wie der alten Provinzen der Balkanstaaten werden der Segnungen der Friedensarbeit und der friedlichen Erfolge in gleichem Maße teilhaftig werden, wie ihre christlichen Mitbürger. In der Türkei aber bleibt immer noch annähernd eine halbe Million Israeliten zurück, deren Zahl durch die ununterbrochene Einwanderung in Palästina stetig zunimmt. Die Zukunft des ottomanischen Reiches ist dunkel. Wird seinen Leitern seine Befestigung, Kräftigung und Erneuerung durch angemessene Reformen und kluge innere wie äußere Politik gelingen, oder wird seine Aufteilung unter die europäischen Mächte weiter gehen und sich auch aus seine asiatischen Besitzungen erstrecken? Niemand vermag das vorher zu sagen. Um so mehr sind die türkischen Juden auf eigene innere Kräftigung und segensreiche Entwickelung angewiesen, damit sie allen künftigen Wechselfällen und Ereignissen gewachsen seien und sich zumal dem drohenden Uebergewichte des von den christlichen Mächten begünstigten und durch seine geistigen Eigenschaften ohnehin sehr zukunftsvollen griechischen Elementes zu entziehen vermögen. Dazu gehört vor allem eine Erziehung der levantinischen Judenheit zu höherer geistiger und moralischer Kraft. Nur dadurch können auch deren Wohlstand, soziale Stellung und politischer Einfluß