Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Pharaos Erben
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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264 zu baden. Nur ein so revolutionäres Volk wie die Juden sieht darin ein Verbrechen. Wie stark war die Bevölkerung in Aegypten?" „Zehn Millionen, sechsmal hunderttausend sechstausend hundert und fünfzig," antwortete der Geschichtslehrer, ohne erst nachzudenken. „Sehr gut. Nun frage ich Sie, ob nicht das Leben des Volkes von dem Leben des Königs abhängig sei?" „Ohne Zweifel." „Nun versuchen wir das Leben des gesamten ägyptischen Volkes in die eine und das Blut der hingeschlächteten Judenkinder in die andere Wagschale zu tun, so würde doch jene diese in die Höhe schnellen!" „Vortrefflich" — sagte von Fressendorf — „das Exempel stimmt. Pharao war schuldlos, und wer in seiner Tat ein Verbrechen sieht, der befindet sich in einem Irrtum. Was hätte er auch anderes tun sollen? Sollte er vielleicht gar in dem Blute seiner Landeskinder baden? War es nicht genug, daß diese ihr Blut für ihr Vaterland vergossen hatten? Daß sie ihre Kinder freiwillig für das Schlachtfeld Hingaben?" Die Begeisterung bemächtigte sich auch des Provisors, indem er hinzufügte: „Gaben denn die Juden den hunderttausendsten Teil von dem Blute zurück, das sie den Bewohnern des Landes ausgesogen hatten?" „JchstimmeJhnen,"sagte der Geschichtslehrer,,,in allem befldochistderHauptrechtfertigungsgrundfürdieHandlungsweise Pharaos darin zu suchen, daß die Juden, welche seine Erkrankung verursachten, die verdammte Pflicht und Schuldigkeit hatten, ihr Leben für seine Genesung hinzugeben." „Großartig," rief die Gesellschaft, „das ist auch der triftigste Grund." Der Geschichtsschreiber fuhr indessen fort: „Als Pharao wieder hergestellt war, berief er die Großen der Krone, um zu beraten, wie diese Landplage zu bekämpfen sei." „Warum hat Pharao nicht den Befehl gegeben, die aussätzigen Juden einfach aus dem Lande zu vertreiben?" fragte entrüstet der Zollbeamte.