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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 260

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Pharaos Erben
Date
1913-01-01
Page
Seite 260 (sequence 6)
Language
German
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260 „Meine Herren, gestatten Sie. daß ich mich Ihnen vorstelle: Mein Name ist von Fressendorf," und ohne ihre Antwort abzuwarten, bestellte er für die ganze Gesellschaft Sekt. „Hoch lebe Herr von Fressendorf!" rief Stanisla Bogdan; alle stimmten in den Ruf ein und stießen mit dem Gefeierten an. „Kürzlich," sagte dieser, „war ich in der Residenz und hatte Gelegenheit, den Geheimrat G. zu sprechen." „Ist dieser nicht mit dem Minister gleichen Namens verwandt?" „Ganz recht. Es befanden sich in unserer Gesellschaft noch einige andere hochgestellte Herren, und sie alle wunderten sich darüber, daß der Antisemitismus in der Provinz bislang keine Wurzeln gefaßt habe. Ich erklärte ihnen aber, daß dies ein Irrtum ihrerseits sei: wir sind, sagte ich, alle Antisemiten, nur sind wir nicht organisiert." „Das stimmt," sagte der Geschichtslehrer, „und ich schlage daher vor, daß wir, so gering an Zahl wir auch hier sind, uns sofort zu einem Antisemitenbunde organisieren." „Auf das Gedeihen unseres Bundes!" riesen alle und leerten ihre Gläser. „Der Geheimrat G.," fuhr von Fressendorf fort, teilte mir vertraulich mit, daß ein neues Gesetz vorbereitet wird, das den jüdischen Damen nicht gestatten solle, die Hebammenschulen zu besuchen. „Bravo, bravo," riefen der Zollbeamte und der Geschichtslehrer und tranken auf das Wohl des Geheimrats. Der Provisor jedoch hatte in diesen Ruf nicht miteingestimmt. „Ich habe es Ihnen ja schon einmal gesagt," bemerkte er, quasi als Entschuldigung, „daß ich für die jüdischen Frauen keine Ausnahmegesetze wünsche." „Unsinn," polterte der Zollbeamte, „auch für die jüdischen Frauen müssen Ausnahmegesetze geschaffen werden; es sei denn, daß sie sich tauften."

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