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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 258

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Pharaos Erben
Date
1913-01-01
Page
Seite 258 (sequence 4)
Language
German
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258 „Was?" rief der Lehrer mit haßerfülltem Blick, „ein Christ versteckt sich vor einem Juden?" „Nicht der Christ vor dem Juden," antwortete lachend der Wirt, „sondern der Schuldner versteckt sich vor dem Gläubiger." „Das ist mir ganz egal," sagte der Lehrer, „ich erkläre Ihnen, sollte von heute ab ein Jude sich noch einmal hier blicken lassen, so werde ich Ihr Lokal meiden!" „Auch ich," sekundierte der Zollbeamte, „man ist ja nirgends vor diesen Mitbürgern sicher." „Auch Sie, mein Herr." spottete der Wirt, „wollen vor den Juden ausrücken? Bisher war ich in dem Glauben befangen, daß die Juden vor Ihnen ausrücktsn." „Ich kann sie nicht ausstehen," versetzte zähneknirschend der Zollbeamte. „Auch ich," donnerte der Provisor, „hasse, verabscheue diese Judenbrut." „Na, besonders," stimmte endlich der Wirt ein. „liebe ich sie ja auch nicht, die jeden fetten Bissen für strsxba' erklären." „Nur Zwiebel und Knoblauch," sagte hierauf der Geschichtslehrer, „essen sie leidenschaftlich gerne. Nach meiner Ansicht, die ich auf dem nächstjährigen Kongreß der Altertumsforscher in Bukarest vertreten werde, haben die Juden einst in ihrem Tempel zu Jerusalem die verschiedensten Opfer dargebracht. Betrat aber der Hohepriester das Allerheiligste, so hat er Zwiebel und Knoblauch als Opfer dargebracht." „Großartig, herrlich, gut gesagt!" riefen begeistert wie ein Mann der Zollbeamte, der Provisor und der Wirt. „Man merkt gleich," sagte der Wirt, „den Unterschied zwischen uns und einem gelehrten Herrn. Wir hassen die Juden aus Gewohnheit, ohne jegliche Ursache, während die Gelehrten ihren Judenhaß zu begründen verstehen." Der Provisor wollte nicht zu den Ungebildeten zählen und bemerkte daher: „Der Judenhaß ist bei mir nicht blos Gewohnheit, nicht so eine Art Herzenssache, sondern er entspringt meinem Verstand, hat eine wissenschaftliche Basis."

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