Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Pharaos Erben
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 2)
- Language
- German
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256 sich zum Prinzip gemacht, nur gegen bar zu verkaufen. Andere wieder wollten wissen, daß alle Kaufleute einen. Ring geschloffen hätten, dem Geschichtslehrer nichts zu borgen, da er niemals an das Bezahlen seiner Schulden gedacht hätte; und wieder andere behaupteten, der Geschichtslehrer hätte seine Heringseinkäufe bei einem Manufakturisten machen wollen, und dieser konnte naturgemäß seinem Wunsche nicht Nachkommen. Die dritte Begebenheit stand den zwei ersten nicht nach. In dem Hause eines hohen Staatsbeamten ging es gar lustig, einher. Schon seit einigen Tagen war dort allabendlich eine auserlesene Gesellschaft von Männern versammelt, um bei Anbruch der Dunkelheit dem Kartenspiel zu huldigen. Einer der Mitspielenden, ein Zollbeamter, hatte aber fürchterliches Pech: er verlor unausgesetzt. Er wollte seinen Verlust wieder einholen und setzte immer frisches Geld ein, bis er nichts mehr hatte. Nun wandte er sich an seine Spielgenossen mit der Bitte, ihm eine Summe Geldes zu leihen, doch diese lehnten sein Ersuchen mit der Motivierung ab, daß das Geldverleiherr während des Spiels dem Verleiher nur Unglück brächte., Da verfiel er auf eine Idee: „Wohnt nicht hier im Hause irgend ein Jude?" „Jawohl," erwiderte der Herr des Hauses. „Dann laß ihn doch schnell kommen." Der Jude wurde durch einen Diener herangeholt. „Borg mir etwas Geld," redete der Zollbeamte in befehlerischem Tone den Juden an. „Gnädiger Herr," antwortete kleinlaut der Jude, „wie sollt' ich Euch Geld leihen, wenn ich keins habe." „Du lügst; alle Juden haben Geld!" „Ich bin aber ein armer Melammed.") „Du sollst mir Geld leihen, sage ich!" „Aber gnädiger Herr —" „Wenn Du mir nicht sofort ein Darlehn gibst, dann—" ') Jüdischer Lehrer.