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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 253

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Der Sonnenstich
Date
1913-01-01
Page
Seite 253 (sequence 26)
Language
German
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253 Nach vieler Mühe gelang es ihm, den Schul» Schammes, der neben seinem Kollegen auf hem Fußboden in tiefem Schlaf lag, wach zu bekommen. „Brennt's irgendwo?", rief er noch schlaftrunken und blickte scheu um sich. Nun erwachte auch der andere Schammes. „Weh' mir", klagte er und rieb sich die Augen, „ich Hab' nur geträumt, daß ich meinem Sklaven die Freiheit und meine Tochter zum Weib gegeben Hab'?) Weh' mir! Leider bin ich selber ein elender Sklave, der Sklave meiner K'hille ... Er gefällt mir gar nicht", fuhr er mit einem Blick auf den Kranken fort. „Seht nur, wie blaß er ist!" Jechiel öffnete die Augen, richtete sich ein wenig auf und rief: „Habt Ihr ihn gesehen?" „Wen denn?" „Ihn, ihn, den Satan, der mich mit vielem Silber und Gold bestechen wollte, ich aber sprach: Du Schaute, das Silber und Gold gehört ja ohnedies mir." Ein unheimliches Lachen verzerrte seine Züge, als er fortfuhr: „Wißt Ihr, wie ich dem dummen Kerl, dem Mal'och Hamowes (Todesengel) mitgespielt Hab'? Ich Hab' ihm sein Messer entrissen, damit er in meiner Hochzeitswoche niemanden schlichtet." Der Arzt kam und befahl, Jechiel sofort ins Krankenhaus zu bringen. „Nervenfieber und verzehrender Wahnsinn", sagte er kurz. „Er wird's nicht lange machen." Als die Schamossim, von einigen Talmudjüngern unterstützt, Jechiel nach dem Krankenhaus trugen, begann dieser jämmerlich zu weinen: „Wohin schleppt Ihr mich? . . . Ich will ins Beth Hamidrasch zurück. . . Auf der Straße lauern böse Geister und Schedim auf meine Seele, und ich besitze nichts, um mich vor ihnen zu schützen. . . Mörder, Räuber", tobte er, „was wollt Ihr von mir?! Nach dem talmudischen Ausspruch: „Ist Deine Tochter heiratsfähig, so entlasse Deinen Sklaven und gib sie ihm zum Weibe".

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