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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 252

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Der Sonnenstich
Date
1913-01-01
Page
Seite 252 (sequence 25)
Language
German
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252 Einige Minuten später befanden sich die beiden Freunde auf dem Hofe des Lehrhauses. Plötzlich blieben sie wie angewurzelt stehen. Ein gräßliches Bild bot sich ihnen dar: Jechiel lag auf schmutziger Erde und stierte mit unheimlichen Blicken die Ankommenden an. „Jechiel!", rief der „Sched" mit stockendem Atem. „Was machst Du hier?" „Nichts, gar nichts mache ich", grinste jener. „Ich paß' nur auf meine Arbeiter auf, die das Haus fertigstellen sollen, damit wir bald Hochzeit feiern können. Die Faulpelze kommen nicht vom Fleck. Die Unterführer haben mit den Vorbereitungen zur Chaßene zu tun, und so muß ich hier sitzen und selber auf die Arbeiter aufpassen." Entsetzen bemächtigte sich der jungen Leute und cheuchre das Wort von ihren Lippen. „Wenn Ihr wollt", fuhr Jechiel fort, „setzt Euch zu mir auf diesen Stein, der auf mein Geheiß breiter werden kann. Ich werde Euch gleich Tee/vorsetzen lassen. Wollt Ihr nicht sitzen, so bleibt ruhig stehen; aber nehmt Euch in acht, daß kein Ziegelstein auf Euch herabfällt!" „Jechiel!" rief der „Sched". „Was stellst Du an? Du zitterst vor Kälte und liegst auf der nassen Erde? Du bist gewiß krank." „Ich bin krank?", lachte Jechiel auf. „Ich zittere vor Kälte? Narren seid Ihr, große Narren! Wäret Ihr nur vor einigen Minuten hier gewesen, hättet Ihr solche Dummheiten nicht gesprochen. Ein Arbeiter machte vor der Zeit Feierabend, da ergriff ich ihn am Genick, schleuderte ihn wie einen Apfel in die Höhe und er fiel direkt drüben in den Teich." Die Freunde sahen einander verständnisvoll an, hoben den Wahnsinnigen auf und brachten ihn, ohne daß er sich wehrte, ins Beth Hamidrasch. Hier betteten sie ihn, so gut es ging, auf einer Bank und bedeckten seinen kalterstarrten Körper mit ihren Obermänteln. „Bleibe Du bei ihm", sagte der „Sched", „und passe - auf, daß er nicht von der Bank fällt! Ich wecke den Schammes, damit er einen Arzt holt."

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