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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 251

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Der Sonnenstich
Date
1913-01-01
Page
Seite 251 (sequence 24)
Language
German
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251 „Ich komme mit", sagte der Dichter und brach gleichfalls auf. „Schlafen werd' ich diese Nacht nicht können", murmelte er vor sich hin, als sie die Straße entlang schritten und begann heftig zu schluchzen. „Was ist Dir, Chajim?", fragte der Freund und drückte ihni, als er, ohne zu antworten, still vor sich hin weinte, teilnahmsvoll die Hand. Was Chaim befürchtet hatte, traf ein: der Schlaf floh seine Lider, und der Morgen graute bereits, als er endlich einschlummerte. Wilde Träume gaukelten ihm die erregten Sinne vor, und er atmete auf, als ein Pochen an die Tür ihn weckte und der Wirklichkeit wiedergab. Rasch fuhr er in die Kleider und öffnete. „Eine Neuigkeit, eine große Neuigkeit", stürmte der „Sched" ins Zimmer. „Eine Verlobung ist gestern abend gefeiert worden, aber nicht im Hause des Schammes." „Was ist damit geholfen, wenn die Verlobung in einem andern Hause ..." „Schaute", unterbrach ihn der Freund, „hör' dochzu Ende! Nicht sie hat sich verlobt, sondern die Tochter des Schul-Schammes; unser Schammes hat der Feier nur als Gast beigewohnt!" „Und Jechiel?" „Jechiel ist verschwunden." „Wieso weißt Du?" „Bitte komm' mit ins Beth Haniidrasch und überzeuge Dich selbst!" „Bist Du denn dort gewesen?" „Ja, ich Hab' nicht schlafen können und kehrte nach Mitternacht ins Beth Hamidrasch zurück. Dort traf ich Jechiel nicht an. Schon wollte ich wieder gehen, als die beiden Schamossim, heiter, vergnügt und betrunken wie Lot, hineingetaumelt kamen. Ich erstaunte nicht wenig, als der Schul-Schammes ein Freudenlallen anstimmte, daß seine schwarze Deborah endlich einen Chofsen gefunden habe und unserem Schammes wünschte, daß auch en seine Tochter bald versorgt sehen möge."

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