Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Der Sonnenstich
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Wie Jemand ein Pferd auf dem Markt verkauft . . „ Oder glaubst Du vielleicht, daß ich die schöne Schammes- Tochter ehelichen werde? Ach! Meine Eltern sind reich, steinreich! Du wirst wie ein Kalb verkauft werden, und mir wird man eine in Silber und Gold ausgegossene Maid, eine geschmückte und gezierte Puppe, ohne Geist und ohne Leben kaufen. Oder ist Jemand unter Euch, Kameraden, der Channe als Gattin heimführen könnte? Jechiel ist ein Mann der Tat; er hat sein Anliegen durch ein heiliges Leben unterstützt und gefördert: seine Frömmigkeit hat ihm die Gunst des Schammes gewonnen und die schöne Channe in die Hand gespielt . . . Jedoch, was nützt das Grämen?! Die Welt geht nicht aus den Fugen, und der böseste Hund — so lautet ein altes Sprichwort — bekommt den fettesten Knochen." IV. Als der Schammes am Abend die Lichter an die Talmudjünger verteilte, musterten diese verstohlen ihn und sein Gewand, ohne aber irgendwelche Veränderung wahrzunehmen: seine Mienen und seine Kleidung sahen genau so aus, wie sonst. „Wann wird die Verlobung gefeiert?", wagte der „Sched" mit zitternder Stimme zu fragen. „In einigen Stunden", erwiderte der Schammes gelassen, ohne den Fragenden weiter zu beachten, und schrie dann: „Fangt doch endlich an zu lernen! Ich Hab" einem Jeden von Euch zwei Lichter gegeben: zehn Bachurnn seid Ihr, und zwanzig Lichter habt Ihr bekommen. Wenn Ihr nicht bis Mitternacht lernt — ich kenn' Euch ja ganz genau: Nichtstuer seid Ihr und Apikorßim (Freidenker) — dann laßt die Lichter da! ... . Warum siehst Du so schlecht aus, Jechiel?", wandte er sich an diesen. „Das Thora - Studium schwächt die Kräfte des Menschen", lispelte der Gefragte. „Ich kann heut nicht lernen", begann der „Sched", nachdem der Schammes gegangen war, „ich habe Kopf-- schmerzen und geh' schlafen."